Bittere Schokolade - Fairness und Ökologie in der Kakaowertschöpfungskette

Bad Kissingen -

Anita Schmitt, Leiterin der Akademie Heiligenfeld, begrüßte 75 Interessierte in ihrem Haus zu dem Vortrag des Agrarökologen Dr. Arno Wielgoss zu Kakaoanbau und –handel. „Ich freue mich jedes Jahr auf die Kooperationsveranstaltung  mit dem Bund Naturschutz (BN) Bad Kissingen, die nun schon zum sechsten Mal stattfindet. Denn die Themen sind sehr vielfältig und die Referenten hochkarätig und engagiert.“ Im Rahmen des vom Umweltministerium geförderten Umweltbildungsprojektes „Unser Essen unser Klima“ nimmt der Bund Naturschutz auch den Konsum von Schokolade und seine Auswirkungen auf die Natur und Landwirtschaft unter die Lupe. Der steigende Bedarf an Kakao weltweit hat zum Teil verheerende soziale
und ökologische Auswirkungen in den Anbauregionen.

Der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Franz Zang erinnerte daran, dass Schokolade in seiner Kindheit etwas Besonderes war, die man zu Weihnachten und zu besonderen Anlässen geschenkt bekam. "Heute müsste die Tafel Schokolade fünf bis zehn Euro kosten, wenn man die Preise von früher hochrechnet," sagt Zang, "Schokolade ist billig geworden auf Kosten der Natur und der Erzeuger." So kommen jetzt nur 6,6 Prozent des Erlöses beim Erzeuger an. 1980 waren es zumindest noch 16 Prozent.

Damit stieg Referent Dr. Arno Wielgoss in die Problematik der wachsenden Nachfrage nach Kakao und deren Folgen für die Regenwälder in Afrika, Asien und Südamerika ein. 70 Prozent des weltweiten Kakaos werden heute in Afrika angebaut auf Flächen. 90 Prozent der Schokolade wird über Regenwaldzerstörung durch Brandrodung produziert. Die CO2-Freisetzung durch Brandrodung trägt wesentlich zur Klimaerwärmung bei. Da in den Regenwäldern 90 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten zu finden sind, geht auch die Artenvielfalt dramatisch zurück bei konventionellem Kakaoanbau.

Den Zuhörern verging daher sehr schnell die Lust auf Schokolade. Dass es auch anders geht zeigte der Referent an dem von ihm mit aufgebauten Projekt PeruPuro auf. Hier werden Bauern beim durch ökologisch angepasstem Agroforstanbau von Kakao auf der kompletten Handelskette bis zum Verkauf unterstützt unter dem Motto: Mehr als fair, besser als Bio, maximale Qualität. Mit der Urkakaobohne "Chuncho" wird im Ursprungsland der Speise der Götter Peru Regenwaldschutz, gerechte Bezahlung der Bauern und höchste Qualität unter einen Hut gebracht. Diese Bestrebungen werden durch die Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 und den Einzug ins Finale der International Chocolate Awards sowie des Wettbewerbs "Die Lieferkette lebt" gewürdigt. Zu erwerben sind die Kakaoprodukte von Perupuro in Eine-Weltläden und im online Versand. Über Angebote für weitere Vermarktungswege freut sich Dr. Wielgoss.

Die Öffentlichkeitsarbeit von Dr. Wielgoss wird vom Ministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit durch das Projekt "Bildung trifft Entwicklung" gefördert.  Wielgoss referiert auch an Schulen sehr anschaulich über die Auswirkungen unseres oft gedankenlosen Konsums auf den Rest der Welt. Kostproben des nachhaltig und fair produzierten Kakaos in Form von Schokolade oder Kakaoschalen zeigen, dass es auch nachhaltigen Genuss gibt. 

Von links: Anita Schmitt (Akademie Heiligenfeld), Franz Zang (BN-Kreisgruppenvorsitzender Bad Kissingen), Gerhard und Francoise Wielgos, Referent Dr. Arno Wielgoss. Foto: Elisabeth Assmann

Foto: Elisabeth Assmann

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