Therapiekonzept – Das Waldmünchner Modell

Bindungserfahrungen der Kindheit prägen maßgeblich Beziehungsgestaltungen im späteren Leben. Sie haben bei Erwachsenen Einfluss darauf, wie sie sich in der Welt erleben sowie auf die Gestaltung der Paarbeziehungen und  der Elternschaft. Die Bindungsforschung hat vier Formen von Bindungsqualitäten definiert: sicher, unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent und desorganisiert. Die unsicheren Varianten sind noch nicht per se mit Krankheit verbunden, es zeigt sich jedoch, dass das sichere Bindungsmuster mit hoher Resilienz einhergeht. Damit ist die Fähigkeit gemeint, belastende Erfahrungen gut bewältigen zu können.

Wir nehmen Patienten ab 3 Jahren zur Behandlung auf, die unter 14-jährigen Kinder nur in Begleitung zumindest eines Elternteils.

Dies ermöglicht uns einerseits, direkt in der Entwicklungsphase therapeutisch dahingehend zu intervenieren, dass Kinder ein sicheres Bindungsumfeld erfahren. Gleichzeitig ermöglicht die Therapie der Jugendlichen und Erwachsenen einen Heilungsprozess, der sicheres Bindungs- und Beziehungsverhalten im Fokus hat.

Das Waldmünchner Modell

Unser Behandlungsangebot zeichnet sich durch 3 zentrale Bausteine aus:

  • Eltern-Kind-Therapie mit Fokus auf Bindung und Beziehung
  • Individuelle und gemeinsame Therapieangebote
  • Therapeutische Gemeinschaft für Menschen ab 3 Jahren

 

Die Eltern-Kind-Therapie umfasst einerseits die unmittelbare Bearbeitung der Beziehungsthemen zwischen anwesenden Eltern und Kindern, andererseits werden, wie auch in der Jugendlichentherapie, die nicht aufgenommenen Familienmitglieder im Rahmen der angebotenen Familiengespräche mit einbezogen. Die Sicht der systemischen Familientherapie, in der Gesundheit und Krankheit eines Menschen im Zusammenhang mit seinen relevanten Beziehungen gesehen wird, hat hier ihren besonderen Platz.

Wir bieten mehrere Therapien an, die für Eltern gemeinsam mit ihren Kindern stattfinden, im Multifamiliensetting.

So wird der gemeinsame Prozess von Eltern und ihren Kindern durch wöchentlich vereinbarte "Eltern-Kind-Ziele", welche das Zusammensein von Eltern und ihren Kindern verbessern sollen, unterstützt. Hier stehen verhaltenstherapeutische Elemente im Vordergrund.

In der begleiteten Interaktion "Begleitetes freies Spiel" können mit Unterstützung der Bezugskindertherapeuten/innen spielerisch Schwierigkeiten im Miteinander bearbeitet und Ressourcen weiterentwickelt und bestärkt werden. Dies wird über die "IntraAct"-Therapie mit Videoarbeit weiter vertieft. Im Rahmen einer wertschätzenden Elterngruppe wird eine gefilmte Interaktion gemeinsam beleuchtet und konkrete Handlungsschritte abgeleitet.

In der "Bindungstherapie"-Gruppe können die Eltern lernen, sich mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen auszudrücken und sich bei anderen Eltern und Erwachsenen Hilfe und Unterstützung zu holen. Gleichzeitig stellen die Eltern für ihre Kinder einen heilsamen Raum zur Verfügung, in welchem die Kinder auch ihre Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken und dabei von ihren Eltern darin beantwortet und unterstützt werden. Die teilnehmenden Eltern und Kinder können in dieser Multifamiliengruppe nachholend Sicherheit und Geborgenheit erleben. Dies bildet eine Grundlage für neues Vertrauen in die gegenseitige Bindung, aber auch für Vertrauensfähigkeit für nährende Bindungen zu anderen Menschen.

In der Gruppe "Alltagstraining/Freizeitgestaltung" können Eltern mit ihren Kindern lernen, ihre freie Zeit sinnvoll, kreativ und aktiv zu gestalten, um so in ihrer gemeinsamen Zeit positive Beziehungserfahrungen zu machen.

Besonders Letzteres wird auch in der "Eltern-Kind-Kreativtherapie" aufgegriffen. Hier besteht ein kreativtherapeutisch begleitetes Übungsfeld, um zu üben, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und auszudrücken. Demgegenüber geht es weiterhin darum, Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder zu nehmen, untereinander Nähe und Zugewandtheit zu erfahren und auch neue Fähigkeiten und Qualitäten von sich und den anderen Familienmitgliedern zu entdecken.

Individuelle und gemeinsame Therapieangebote: Der Bezugstherapeut erstellt zusammen mit dem Patienten einen individuellen Behandlungsplan, der je nach Therapieverlauf weiter abgestimmt wird. Neben wöchentlichen Einzelgesprächen liegt der Schwerpunkt der Behandlung in der Gruppe. Hier haben wir insbesondere für Jugendliche und Erwachsene als zentralen Baustein die Therapie in der Kerngruppe.

Für die wesentlichen Diagnosegruppen werden Indikationsgruppen angeboten.

Manche Therapieangebote stehen Jugendlichen und Erwachsenen offen: Selbststeuerung, Körpertherapien, Gewaltfreie Kommunikation, Spiritualität, Tanztherapie, Familienaufstellung.

Andere wiederum sind speziell den Jugendlichen vorbehalten: Soziale Kompetenz, Aktion Pferd, Lernen lernen, Kunsttherapie.

Die Kinder wiederum werden in altersentsprechenden Gruppen von therapeutischen und pädagogischen Fachkräften in unserer Kindertherapiestätte liebevoll begleitet und in ihrer Entwicklung gefördert. Im "therapeutisch begleiteten freien Spiel" wird ein Heilraum zur Verfügung gestellt, der bindungs-, verhaltens-, kreativ- und spieltherapeutische Angebote integriert.

Therapeutische Gemeinschaft für Menschen ab 3 Jahren: Die therapeutische Gemeinschaft aller Patienten und Mitarbeiter stellt ein Beziehungsfeld gegenseitiger Unterstützung und eine Atmosphäre von Verbundenheit dar. Sie ist der haltgebende, tragende, Sicherheit vermittelnde Rahmen, der dazu einlädt, sich zu zeigen, sich zuzumuten, Nähe und Vertrauen zuzulassen. Für Kinder und Jugendliche bedeutet die therapeutische Gemeinschaft "Großfamilie auf Zeit". Die übrige Behandlung ist in diese heilende und unterstützende Atmosphäre eingebettet.

Die Behandlung im stationären Setting ermöglicht eine besonders intensive Zeit der Auseinandersetzung mit sich und anderen, wir verstehen uns gleichzeitig als Teil einer Behandlungskette. So ist die Sozialberatung und Vernetzung mit wichtigen Personen und Institutionen im Bezugs- und Unterstützungssystem unserer Patienten ein fester Bestandteil der Therapie.

 

 

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