Psychoonkologie

Eine Krebserkrankung bedeutet für den Betroffenen einen gravierenden Einschnitt in dessen Lebensgestaltung und die weitere Lebensplanung. Zwar haben sich die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren vielfach verbessert. Trotzdem bleibt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der oftmals lebensbedrohlichen Erkrankung. Auch die große Angst vor einer Unheilbarkeit oder vor einem Rezidiv sowie der Umgang mit den (sichtbaren) Folgen der Therapie stellt eine enorme Herausforderung dar. Seit Anfang der 1970er Jahren hat sich nach Angaben des vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten "Berichts zum Krebsgeschehen in Deutschland" (2016) die Zahl der Krebsneuerkrankungen nahezu verdoppelt. Gleichzeitig findet seit den 1990er Jahren ein Rückgang der Sterblichkeit an Krebs statt.

Aktuell leben schätzungsweise vier Millionen Menschen in Deutschland mit einer Krebserkrankung oder deren Langzeitfolgen.

Die Psychoonkologie unterstützt Betroffene bei der Krankheitsverarbeitung und der Auseinandersetzung mit den Auswirkungen im sozialen, privaten und beruflichen Bereich. Psychische Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen beeinträchtigen die Lebensqualität zusätzlich enorm. Durch eine spezifische und gleichzeitig allgemein wirksame psychotherapeutische Begleitung werden die Belastungen, die sich aus der Krebserkrankung und ihrer Behandlung ergeben, gelindert. Gleichzeitig ist die Beschäftigung mit der weiteren Lebensgestaltung zentraler Bestandteil der Therapie.

Behandlungsindikation

Bei vielen Krebspatienten besteht der deutliche Wunsch nach Unterstützung aufgrund der massiven Belastung durch die Diagnose, die Behandlung und die oftmals veränderte Lebenssituation. Angst und Verzweiflung, die Ungewissheit über das mögliche Fortschreiten der Erkrankung und die Auswirkungen auf die generelle Lebensperspektive können sehr viel Kraft kosten und den Einzelnen überfordern. In einer solchen Situation geht es sowohl um bestmögliche fachlich-medizinische als auch eine haltgebende und unterstützende psychosoziale Begleitung.

In den Heiligenfeld Kliniken sind wir auf die Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen spezialisiert. Die mit einer Krebsdiagnose verbundene Belastung kann Auslöser für eine solche Erkrankung sein.

Konkret behandeln wir die folgenden psychischen und psychosomatischen Erkrankungen:

  • Angstzustände und Depressionen jeder Art
  • akute und chronische Belastungsreaktionen
  • Erschöpfungs- und Burn-out-Zustände, auch mit körperlichen Beschwerden wie Konzentrations- und Schlafstörungen
  • schwere Krisen im Zusammenhang mit Konflikten, Verlusten oder unverarbeiteten Operationen, Unfällen oder Krankheiten
  • Persönlichkeitsstörungen
  • psychosomatische Störungen, z. B. Kopfschmerzen, Herz-, Kreislauf-, Magen-Darm- oder Wirbelsäulenbeschwerden
  • berufliche und persönliche Identitätskrisen
  • Lebenskrisen, Sinnkrisen, Glaubenskrisen
  • Essstörungen und Adipositas
  • beginnende stoffgebundene und nicht-stoffgebundene Abhängigkeitserkrankungen
  • Sexual- und Beziehungsstörungen
  • Zustände nach psychotischen Episoden

Vernetzung von Psychosomatik und Somatik

Zum Klinikverbund der Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen gehört auch die Luitpoldklinik Heiligenfeld. In dieser Klinik stehen 117 Betten für onkologische, internistische und orthopädische Rehabilitation zur Verfügung. Im Rahmen der Vernetzung der Kliniken profitieren Patienten der Luitpoldklinik Heiligenfeld in der Anschlussrehabilitation von der psychotherapeutischen Kompetenz der psychosomatischen Abteilung. Umgekehrt können unsere Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen auf die somatisch onkologische Kompetenz der Mitarbeiter der Luitpoldklinik Heiligenfeld zurückgreifen.

Diagnostik und Behandlungspfade

Die Behandlung der spezifischen Themenfelder, die sich aus der Krebserkrankung ergeben, sowie der begleitenden psychischen und psychosomatischen Erkrankungen folgt den medizinischen Leitlinien. Ergänzend hierzu integrieren wir Therapieelemente, die sich unserer Erfahrung nach als besonders wirksam erwiesen haben. Auf diese Weise ergibt sich eine Behandlungsstruktur, die gleichzeitig fundiert und individuell den Bedürfnissen unserer Patienten gerecht wird.

Psychoonkologische Behandlung

Jeder Patient nimmt an mindestens zwei Gruppen teil: an der Kerngruppe und der Spezialgruppe "Psychoonkologie". Darüber hinaus werden je nach Beschwerdebild weitere Therapiegruppen angeboten. Zentrale und tragende Figur in der Behandlung der Patienten ist der zuständige Bezugstherapeut (Arzt oder Psychologe). Gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet er den individuellen Behandlungsplan, führt indikationsspezifische Einzelgespräche durch und leitet die Psychotherapiegruppe (Kerngruppe).

Die Spezialgruppe "Psychoonkologie" beschäftigt sich mit den folgenden Themenfeldern:

  • Vermittlung von Informationen zur Krebserkrankung, zu den Auswirkungen und Möglichkeiten der Krankheitsverarbeitung.
  • Auseinandersetzung mit häufig auftauchenden, quälenden Fragen im Zusammenhang mit der Krebserkrankung: "Warum trifft es mich?", "Womit habe ich das verdient?", "Ist dies die Strafe für… ?", "Hat mein Leben noch einen Sinn?", "Wie kann ich mit dem Risiko des Wiederauftretens der Erkrankung umgehen?".
  • Medizinische Grundlagen: Raum für individuelle Fragen, die in den bisherigen Arztkontakten nicht geklärt werden konnten. Wichtig hierbei ist auch die Vermittlung der Fähigkeit, die individuell wichtigen Informationen einzuholen (Wissen um Informationsquellen und Techniken der Kommunikation).
  • Psychische Aspekte der Erkrankung: Ungünstige Bewältigungsstile (fatalistisches Akzeptieren, Bagatellisieren, Katastrophisieren, soziale Isolation oder andere) werden identifiziert und bearbeitet, förderliche Umgangsweisen mit der Erkrankung (Ausbau von Ressourcen, Integration der chronischen Erkrankung in das eigene Leben, Sinnsuche und Orientierung an übergeordneten Werten) unterstützt oder erarbeitet.
  • Erfahrungsaustausch und soziale Vernetzung Betroffener, was modellhaft bei der Mobilisierung sozialer Ressourcen hilft.

Psychisch ist die Situation häufig geprägt durch Symptome wie Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit, Unruhe, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen oder Grübelneigung. Nicht zuletzt führt eine Krebserkrankung meist zu einer veränderten inneren Haltung dem Leben gegenüber. Oft werden spirituelle Dimensionen im Patienten berührt, die vorher nur in Ansätzen vorhanden und nicht wahrgenommen worden waren. Während viele durch das Entdecken ihrer Spiritualität Kräfte für die Bewältigung der Lebenssituation mit Krebs freisetzen können, ist es für einige andere auch bedrohlich, mit dieser Dimension ihres Daseins konfrontiert zu sein.

Hier ist eine besondere Expertise gefordert, die in unserer Klinik in einzigartiger Weise gegeben ist. Die Berücksichtigung spiritueller Ansätze in der Psychotherapie ist uns schon immer ein zentrales Anliegen. Wir verstehen Heiligenfeld als einen Raum, in dem es jedem frei steht, seine eigene Spiritualität zu erkunden und Anregungen zu erhalten. Viele unserer Therapeutinnen und Therapeuten haben langjährige Meditationserfahrung und integrieren Elemente der Achtsamkeit ganz selbstverständlich in ihr tägliches Arbeiten. Auf diese Weise entsteht eine wertschätzende und respektvolle Atmosphäre, die dabei hilft, auch mit existenzielle Themen wie schwerer Krankheit oder Sterblichkeit angemessen umzugehen.

Sozialrechtliche Belange:

Zusätzlich zur psychoedukativen Gruppe erhält jeder Patient einen Einzeltermin beim klinikeigenen Sozialarbeiter. Dies dient der individuellen Abklärung, welche Maßnahmen noch zu ergreifen sind, um eine umfassende soziale Absicherung (Rehabilitationsmöglichkeiten, Ansprüche, etc.) zu ermöglichen.

Sprechstunde für Patienten mit Krebserkrankungen

Es wird wöchentlich eine Sprechstunde angeboten, in der sich Patienten mit Krebserkrankungen für ihre ganz persönliche Belastungssituation zusätzlichen Rat holen können. So lassen sich die Themen der Spezialgruppe "Psychoonkologie" im Einzelfall vertiefen und individuelle Lösungsansätze suchen. Auch können hier Fragen angesprochen werden, die über das Themenspektrum der Spezialgruppe hinausgehen.

Außerdem dient die Sprechstunde der Weitergabe von Informationen und Anregungen für die Zeit nach der Klinik, wie z. B. Angebote von Selbsthilfegruppen, Literaturhinweise etc.

Downloads

Nachfolgend finden Sie den aktuellen Prospekt zur Behandlung von Menschen mit Krebserkrankungen in den Heiligenfeld Kliniken.

Prospekt "Psychoonkologie"

Folgende Heiligenfeld Kliniken behandeln Psychonkologische Erkrankungen

  • Rosengarten Klinik Heiligenfeld

    Fachklinik für Psychosomatische Rehabilitation

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