NEU: Qualifizierter Entzug in der Parkklinik Heiligenfeld

Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld und stellv. Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken
Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld und stellv. ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken

Ab sofort bietet die Parkklinik Heiligenfeld die qualifizierte Entzugsbehandlung für Alkoholabhängige an. Somit wird den Patienten von Entgiftung über Entwöhnung und Suchttherapie das gesamte Behandlungsspektrum in einem Haus ermöglicht.

Der Pro-Kopf-Konsum an alkoholischen Getränken in Deutschland liegt bei 9,5 Liter reinem Alkohol. Laut der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland konsumieren 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form, davon gelten etwa 1,3 Millionen als alkoholabhängig. Jedoch gestehen sich nur etwa zehn Prozent der Abhängigen den Ernst ihrer Lage ein und unterziehen sich einer Therapie.

Dr. Rüdiger Höll, Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld und stellvertretender ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken, erklärt in einem Interview das neue Behandlungskonzept des qualifizierten Entzugs.

Wann ist es für Alkoholabhängige ratsam, sich in den Entzug zu begeben?

Dafür gibt es keine feste Regel. Spätestens dann, wenn die Erkrankung vom behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten festgestellt wurde, sollte man sich in den Entzug begeben. Wenn man ohne den Konsum des Suchtmittels körperliche Erscheinungen wie Zittern, Schmerzen, einen Kollaps oder sogar ein Delir, das heißt eine Dysregulation des Gehirns mit Sinnestäuschungen, erleidet, kann es lebensbedrohlich werden.

Wer kommt zu Ihnen in die Klinik?

Alkoholabhängige haben häufig eine primäre psychische Erkrankung. Demnach ist die Abhängigkeitserkrankung meist eine Zweitdiagnose. Für Menschen, die unter Ängsten, Unsicherheit, Panik oder einer Depression leiden, ist der Alkoholkonsum Mittel zum Zweck. Ihnen fällt es schwer, sich zu öffnen und soziale Kontakte zu knüpfen. Sie trinken sich sozusagen Mut an und verlieren durch ein, zwei, oder auch drei Gläser Wein ihre Hemmungen, auf andere Menschen zuzugehen. Alkohol wirkt für sie wie ein Rauschmittel und alles scheint im grünen Bereich zu sein. Dass dabei eine Grenze überschritten wird, merken die Wenigsten. Oft verleugnen Betroffene über Jahre ihr Problem. Erst, wenn einen zum Beispiel Arbeitskollegen oder Freunde konkret darauf ansprechen oder der Partner den Schein nicht mehr wahren möchte, wachen die Betroffenen auf.

Wie genau läuft der qualifizierte Entzug in der Parkklinik Heiligenfeld ab?

Der qualifizierte Entzug in der Parkklinik Heiligenfeld besteht aus zwei Phasen: der Entgiftung und der Entwöhnung. Das Ziel der Entgiftung bzw. des körperlichen Entzugs ist die Befreiung des Körpers vom Giftstoff Alkohol. Allerdings ändert die Entgiftung allein nichts an den Ursachen der Abhängigkeit. Um dauerhaft ohne Alkohol auszukommen, ist die Entwöhnungsbehandlung im Anschluss zwingend nötig. Entgiftung und Entwöhnungsbehandlung dauern in der Parkklinik Heiligenfeld insgesamt etwa sechs Wochen. Danach empfiehlt sich eine ambulante oder stationäre Fortführung der Psychotherapie.

Was sind die Ziele der Behandlung?

Das wichtigste Ziel der qualifizierten Entzugsbehandlung ist es, den eigenen Willen der Patienten zu stärken, um das bisherige Verlangen zu stillen. Die Patienten müssen sozusagen Abschied vom Alkohol nehmen und neue Verhaltensmuster erlernen. Es ist wichtig, dass sie erfahren, was hinter ihrer Abhängigkeitserkrankung steckt und wie sie ihr Leben und ihre Verhaltensweisen entsprechend ändern können.  

Was sind die Inhalte der Entwöhnungsbehandlung?

In der Entwöhnungsbehandlung erlernen die Patienten neue Bewältigungsstrategien und Rückfallvorsorge und wie sie, sollte es dazu kommen, mit Rückfällen umgehen müssen. Dazu nehmen sie an verschiedenen Gruppentherapien teil. In einer psychoedukativen  Gruppe wird in mehreren Sitzungen grundlegendes Wissen über die Abhängigkeitserkrankung vermittelt, welches anschließend in praktischen Übungen angewandt und vertieft wird. Außerdem wird die Teilnahme an einer Abstinenz- und Suchtgruppe ermöglicht. Hier erfahren die Patienten ein spezielles Abstinenztraining. Darüber hinaus erlernen sie, die eigene Selbststeuerung zu verbessern. Natürlich gibt es neben den Gruppentherapien auch Einzeltherapiesitzungen, die individuell auf die Abhängigkeitserkrankung und die Lebensgeschichte des einzelnen Patienten bezogen sind.

Was sind die Vorteile dabei, dass Entgiftung und Entzug in einem Haus angeboten werden?

Dadurch, dass wir das gesamte Behandlungsspektrum in einem Haus anbieten, können wir für die Patienten eine Kontinuität schaffen und auch nach der Entgiftung die weitere Behandlung sicherstellen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Patienten nach der Entzugsbehandlung sich nicht an eine weitere Klinik und somit an neue Ärzte, Therapeuten und Mitpatienten gewöhnen müssen. Somit können sie sich ganz auf sich konzentrieren und es fällt ihnen leichter, sich in der Klinik geborgen zu fühlen.  

Wie hoch sind Ihrer Meinung nach die Erfolgschancen, nach der Behandlung abstinent zu bleiben?

Führt man nur einen körperlichen Entzug durch, ist die Rückfallquote sehr hoch. Es gibt Alkoholkranke, die schon zehn Entgiftungen hinter sich haben und trotzdem immer wieder rückfällig werden. Um langfristig abstinent zu bleiben, muss man unbedingt kontinuierlich psychologisch betreut werden. Außerdem empfehlen sich Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker, die den Suchtkranken auf seinem Weg zu einem Leben ohne Alkohol begleiten. Mit Entgiftung, Entwöhnung, Suchttherapie und Selbsthilfegruppe steigen die Erfolgschancen auf bis zu sechzig Prozent.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Weitere Blogbeiträge

Alle Blogbeiträge
Sie finden diesen Beitrag interessant? Dann teilen Sie ihn gerne.

Unsere Kliniken | Krankheitsbilder | Therapiekonzept

Unsere Kliniken

Zu den Heiligenfeld Kliniken gehören 7 Kliniken an 5 Standorten.

Krankheitsbilder

Wir behandeln psychosomatische und somatische Krankheiten.

Therapiekonzept

In unseren Kliniken finden Sie ein "Zuhause auf Zeit".

Eine Antwort

  1. Liebe Frau Ritter, lieber Herr Höll, ich arbeite in der Heiligenfeld Klinik in Waldmünchen und habe mit großer Freude das Interview gelesen. Ich finde es eine tolle Sache, dass wir nun auch eine Therapiemöglichkeit für Alkoholabhängige anbieten und das unter einem Dach geschieht. Da ich ja aus eigener Sicht weiß wie in Heiligenfeld gearbeitet wird, glaube ich das wir gut aufgestellt sind für das was in diesem Arbeitsfeld auf uns zukommt und die Patienten die kommen werden ganz sicher einen guten Platz für ihre Genesung bei Euch finden. Ich wünsche Euch allen, ihnen Herr Höll und dem ganzen Team, viel Kraft und Innovation um sich dieser wichtigen Aufgabe zu stellen.

    Herzliche Grüße und viel Erfolg aus Waldmünchen
    Siegfried Ritter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.