Corona-Burnout: "Krise da, Kraft weg!"

Für die meisten Menschen bedeutet die Corona-Pandemie einen radikalen Einschnitt in ihrem Leben. Massive Einschränkungen bestimmten über Monate unseren Alltag, insbesondere auch im zwischenmenschlichen Bereich. Dabei ist gerade das Miteinander für uns immens wichtig, um mit Belastungen umgehen und Schwierigkeiten bewältigen zu können.

Mit der Kampagne “Krise da, Kraft weg!” möchten wir speziell auf die psychischen Belastungen durch die Corona-Pandemie aufmerksam machen. Nach über einem Jahr im Ausnahmezustand sind bei vielen Menschen die Kraftreserven fast vollständig aufgebraucht. Als Klinikgruppe für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie weisen wir bereits seit Längerem auf die drohende Gefahr eines „Corona-Burnout“ hin – und sehen uns in dieser Prognose mehr und mehr bestätigt!

FOCUS-Online-Gespräch mit Dr. Hans-Peter Selmaier

Aktuell im August 2021 hat der Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld Dr. Hans-Peter Selmaier mit Focus Online über das Thema „Corona-Burnout“ und ihre Anzeichen gesprochen.

In den letzten zehn Jahren sind die seelischen und sozialen Folgen psychosozialer Belastungen weltweit sichtbar geworden. In Deutschland entwickeln etwa 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres eine psychische Störung. Bis zu 20 Prozent aller Krankheitstage gehen auf psychische Erkrankungen zurück und etwa 50 Prozent aller vorzeitigen Berentungen entstammen einer psychischen Diagnosegruppe.

Burnout-Prozess als Folge

Eine Entwicklung, die letzten Endes in eine psychische Störung münden kann, ist der sogenannte „Burnout-Prozess“. Burnout zeigt sich in zunehmender emotionaler Erschöpfung, einer Entfremdung gegenüber sich selbst und anderen Menschen und einer Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung, trotz übermäßiger Anstrengung und Anspannung. Burnout ist eigentlich eine Entwicklung, die auf eine langandauernde und überforderte Stressverarbeitung zurückzuführen ist.

Nach einer Phase der Überaktivität, mit den Versuchen, sich selbst etwas zu beweisen oder die Erwartungen anderer zu erfüllen, reduziert sich zunehmend das Engagement. Die Einstellungen zur Arbeit, den anderen Menschen und zu sich selbst werden negativ und die eigene Leistungsfähigkeit baut ab. Nach einer Phase von Gereiztheit, Konzentrationsschwierigkeiten und Kompensationsversuchen durch übermäßiges Essen, Alkohol, Sexualität oder soziale Medien geschieht schließlich ein seelischer Einbruch, meist in Form einer depressiven Erkrankung, aber auch als Angststörung, Suchtentwicklung oder psychosomatische Erkrankung. Hintergrund ist immer eine dauerhafte Anspannung, eine chronische Stresssituation: Ein Ungleichgewicht zwischen den äußeren Anforderungen auf der einen und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten auf der anderen Seite, ein Ungleichgewicht zwischen persönlichem Einsatz und der dafür erhaltenen Anerkennung oder ein Spannungsfeld zwischen eigenen Werten und denen, unter denen man leben und arbeiten muss. Gerade diese Ungleichgewichte und Spannungsfelder prägen unser Leben unter Corona-Bedingungen in noch stärkerem Ausmaß.

Angst ist ein grundlegendes Gefühl in der Pandemie

Ein grundlegendes Gefühl während der Covid-19-Pandemie ist die Angst. Weltweit haben Menschen Angst davor, sich zu infizieren, andere anzustecken, schwer zu erkranken und möglicherweise sogar zu sterben. Wir haben darüber hinaus Angst, dass Menschen, die uns nahestehen, schwer erkranken und leiden oder gar sterben könnten und wir sie verlieren. Angst ruft in der Regel instinktive Abwehr hervor. Abwehr kann bedeuten, sich zu schützen, z. B. durch Hygiene oder Abstand. Sie kann bedeuten, gegen das Virus zu kämpfen, z. B. durch Medikamente, oder auch starr zu werden und zu hoffen, dass die Bedrohung vorübergeht. Angst ist eigentlich ein Signalgefühl, das uns sagt: „Pass auf!“ Aber wenn die Bedrohung so diffus ist, dass wir sie kaum erkennen können – weil das Virus so klein und seine Verbreitung so schwer zu verhindern ist – besteht die Gefahr, dass die Angst sich immer weiter steigert. Diffuse Angst ist sehr viel schwerer handhabbar als die konkrete Angst vor einer klar definierten und sichtbaren Bedrohung. Und so schleicht sich die Angst in unser Unbewusstes und berührt unsere Themen und all das Unverarbeitete unserer Vergangenheit, das mit Ängsten verbunden ist. Sie triggert bedrohliche oder traumatische Erlebnisse und lässt uns die Realität in anderem Licht erfahren. Angst aktiviert uns zunächst, aber, wenn wir nicht in der Lage sind, ihr ins Auge zu sehen und sie auf ein realistisches Maß zu begrenzen, wird sie zum unterschwelligen oder ganz offensichtlichen Stress. Sie engt uns ein, engt unseren Fokus auf immer das gleiche Thema, wie eine Spirale, die durch immer mehr Bedrohungsszenarien oder angsterfüllte Informationen unsere Kapazitäten und unsere Bewältigungsfähigkeiten überfordert.

Gleichzeitig müssen wir weltweit mit den medizinischen Folgen und den ergriffenen Maßnahmen umgehen. Individuell bedeutet dies eine zu den üblichen Anforderungen des gesellschaftlichen Alltags neue und zusätzliche Belastungsdimension. Jede*r Einzelne muss im Alltag eine Vielzahl von Regeln einhalten, die er*sie teilweise sinnvoll findet, teilweise ablehnt, die er*sie teilweise versteht und teilweise nicht versteht und die sich auch binnen weniger Wochen oder gar Tage wieder verändern können. Hier ist eine hohe Aufmerksamkeit gefordert, insbesondere in zwischenmenschlichen Situationen. Die ständige Anspannung läuft glücklicherweise meist nur halbbewusst ab, wird aber immer wieder aktiviert, wenn andere Menschen mir möglicherweise zu nahekommen oder wenn die Organe der Staatsgewalt sichtbar auftreten, mit Bußgeldern drohen oder zur Meldung von Regelverstößen auffordern. Dadurch kann ein Klima gesellschaftlichen Misstrauens entstehen.

Vor allem Menschen in komplexen Lebens- oder Arbeitssituationen sind hiervon stark betroffen. Ganz besonders sind das natürlich diejenigen in Gesundheitsberufen, die alltäglich in Kontakt mit infizierten Personen kommen können und bei denen dann natürlich alle latenten Angst-Abwehrmechanismen und alle Aufmerksamkeits-Anspannungs-Dynamiken wiederholt oder gar ständig aktiviert werden. Aber auch andere Berufsgruppen, die mit komplexen größeren sozialen Situationen zu tun haben, wie Kindergärtner*innen, Lehrer*innen, Mitarbeiter*innen in Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Hotels, Restaurants und bei der Organisation von Veranstaltungen jeglicher Art sind jetzt eben nicht nur fachlich und kognitiv, sondern auch und vielleicht noch viel bedeutsamer emotional herausgefordert. Und gerade hier gibt es durch die beruflichen Situationen vielfältige Auslöser zur seelischen Dekompensation.

Wie lange können wir dies noch aushalten? Und in welcher Weise?

Burnout-Symptome zeigen sich oft nach etwa einem halben Jahr andauernden, mit Stress verbundenen inneren Ungleichgewichts und unzureichender oder mangelnder Gegenmaßnahmen. Da die Ängste und inneren Spannungszustände durch die Covid-19-Pandemie und die dagegen ergriffenen Maßnahmen nun schon seit einem Jahr anhalten, geraten wir zunehmend in die Gefahr der Entwicklungen von Corona bedingten Burnout-Prozessen. Mit „Corona-Burnout“ bezeichnen wir die persönlichen und seelischen Krisen, die durch Stress, Angst und individuelle Überforderung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie entstehen. „Corona-Burnout“ kann letztlich unbeachtet und unbehandelt zu seelischen Erkrankungen, wie Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen, pathologischem Essverhalten und weiteren psychosomatischen Erkrankungen mit schwerwiegenden Folgen führen.

Deshalb schlagen wir „Corona-Burnout-Alarm“!

Poesie-Mobil Tour

Uta Galuska und Dr. Joachim Galuska haben zusammen mit den Heiligenfeld Kliniken ein altes Feuerwehrauto zum „Poesie-Mobil“ umgestaltet. Sie fahren damit zum Thema „Corona-Burnout“ und „Corona-Resilienz“ über mehrere Tage von Bad Kissingen durch Deutschland.

Uta Galuska ist Künstlerin für Lyrik und Schriftkunst. Erschüttert von der existenziellen Betroffenheit der Menschen durch die Corona-Pandemie will sie mit dieser Performance und ihrer Kunst Schönheit und Poesie in die Welt schenken. Sie wird auf dieser Tour eigene Gedichte ihrer Auseinandersetzung mit Corona-Themenkreisen schriftkünstlerisch gestalten und verschenken. Gleichzeitig macht sie auf die gegenwärtig schwierige Situation vieler Künstler aufmerksam und zeigt, dass Kunst als inspirierende, Resilienz fördernde und sogar heilsame Kraft „systemrelevant“ ist.

Dr. Joachim Galuska ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychiatrie und hat die Heiligenfeld Kliniken mit ihrem menschlichen und ganzheitlichen Konzept aufgebaut und viele Jahre geleitet. Angesichts der psychosozialen Belastungen der modernen Welt liegen ihm darüber hinaus Prävention und Gesundheitsförderung sehr am Herzen. Die zusätzlichen Ängste und Stressfaktoren während der gegenwärtigen Corona-Pandemie rufen aus seiner Sicht zunehmende Burnout-Prozesse und daraus folgende psychische Erkrankungen hervor. Er möchte mit dieser Tour sowohl auf die Gefahr von „Corona-Burnout“ aufmerksam machen, als auch aufzeigen, wie „Corona-Resilienz“ gelingen kann.

Dr. Joachim Galuska, Foto: Petra Balling

In einem Interview mit dem Chefredakteur der Main-Post, Michael Reinhard, weist der Gründer und Gesellschafter der Heiligenfeld Kliniken, Dr. Joachim Galuska, auf die psychischen Folgen der Coronakrise hin. Er sagt, dass wir auf ein „Corona-Burnout” zusteuern. Das komplette Interview und weitere Artikel finden Sie auf der Internetseite von Dr. Galuska.

In einem weiteren Artikel der Main-Post vom 27.02.2021 spricht Dr. Joachim Galuska zu den aktuellen seelischen Belastungen.

Wir lassen Sie nicht allein!

Wir in den Heiligenfeld Kliniken betrachten die Geschehnisse und Entwicklungen der letzten Monate mit zunehmender Besorgnis. Uns ist es ein zentrales Anliegen, Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen, um dem drohenden „Corona-Burnout“ etwas entgegenzusetzen! Deshalb haben wir unser Therapieprogramm erweitert.

Drei verschiedene Behandlungsformen berücksichtigen die zentralen Belastungen, mit denen sich viele Menschen seit dem Beginn der Pandemie konfrontiert sehen:

  • Meine soziale Isolation in der Krisenzeit
  • Beziehung mit mir selbst, zu anderen, zur Gruppe
  • Meine Krisenkompetenz – meine Stabilisierungsfähigkeit – meine Ressourcen
  • Meine kreativen Fähigkeiten in der Krise
  • Umgang mit Bedrohungsgefühlen und anderen krisenbedingten Gefühlslagen
  • Die Sinnfrage im Spiegel der Krise
  • Ein am eigenen Sinn orientiertes aktives Leben zwischen Über- und Unterforderung

     

Ziele der Behandlung:

  • Stabilisierung und Regeneration
  • Angstbewältigung
  • Erarbeitung funktionaler Lösungs- und Bewältigungsstrategien
  • Ressourcenstärkung
  • Förderung der Resilienz

Möglichkeiten der Therapie

Eine Krisensituation wie die gegenwärtige globale Corona-Pandemie ist bisher beispiellos. Neben der Verschlechterung bereits bestehender psychischer Erkrankungen können auch Menschen, die bisher keine Beschwerden hatten, an eine Grenze kommen. Zwar wird bestmöglich versucht, durch eine Anpassung der professionellen Unterstützungsangebote – Telefonsprechstunden oder Begleitung via Videotelefonie – Hilfesuchenden eine Plattform zu bieten, doch in manchen Fällen reichen diese Maßnahmen nicht aus.

Für Menschen, die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind, braucht es adäquate und wirksame Therapieangebote. In der aktuellen Krisensituation versagen psychische Anpassungs- und Kompensationsmechanismen, bisherige Bewältigungsstrategien werden ganz oder teilweise unwirksam.

In den Heiligenfeld Kliniken bieten wir Betroffenen eine stationär-psychosomatische Behandlung, die sich vertiefend sowohl mit den bestehenden Belastungen als auch mit den Ressourcen und Potenzialen beschäftigt. Das ganzheitliche Therapiekonzept verbindet verschiedenste Ansätze – tiefenpsychologisch, systemisch, verhaltens- und körpertherapeutisch sowie achtsamkeitsbasiert.

In der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen sowie in der Heiligenfeld Klinik Berlin besteht die Möglichkeit einer zwei- bis vierwöchige Kurzzeittherapie, die sich schwerpunktmäßig mit den Herausforderungen und Belastungen durch die Corona-Pandemie beschäftigt.

Ziel ist das konstruktive Durchleben der Krisensituation. Mit dem Fokus auf den Teilbereichen „Soziales“, „Kompetenzen“ und „Sinnfindung“ sollen diejenigen Aspekte angesprochen werden, die wir aktuell als besonders relevant erachten – sowohl im Hinblick auf die Schwierigkeiten als auch hinsichtlich der Chancen, die sich möglicherweise durch die Krise ergeben.

In der Fachklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen sowie in der Heiligenfeld Klinik Uffenheim bieten wir die Möglichkeit der Behandlung in unserer Krisengruppe. Aktuell können Personen aus ganz Bayern aufgenommen werden. Konzipiert für eine kurzfristige Aufnahme zur Stabilisierung und Regeneration bei einer maximalen Behandlungsdauer von 14 Tagen, legen wir auch hier den Fokus auf die spezielle Situation angesichts der Corona-Pandemie. Strukturierende und entlastende Therapieelemente finden genauso Anwendung wie eine behutsame Unterstützung in der Angstbewältigung, der emotionalen Stärkung und dem Aufbau wirksamer Stressbewältigungsmechanismen.

Die Heiligenfeld Klinik Waldmünchen ist spezialisiert auf die Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Das Behandlungsprogramm richtet sich sowohl allgemein auf die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie als auch insbesondere auf die sozialen und innerfamiliären Belastungen.

Die Krise als Chance

Letztlich bietet die Corona-Krise bei aller Herausforderung auch eine Chance, sich unmittelbar und konstruktiv auf unsere Gesundheit zu fokussieren. Als Gegenmittel gegen den Burnout-Prozess haben sich in den letzten Jahren Gesundheitskompetenz und Resilienz entwickelt.

Resilienz heißt so viel wie Widerstandsfähigkeit gegenüber Lebenskrisen, Krankheiten und generellen Belastungen. Sie ist nicht nur innere Stärke, sondern letztendlich die Fähigkeit, sich selbst zu führen und das eigene Leben gemäß den eigenen Fähigkeiten und Werten zu gestalten. Neben der individuellen persönlichen Resilienz kann man auch auf die Resilienz einer Organisation oder gar einer ganzen Gesellschaft, bis hin zur gesamten Menschheit schauen.

In Bezug auf die Covid-19-Pandemie bedeutet individuelle Resilienz natürlich zunächst einmal, die Widerstandsfähigkeit unseres Immunsystems gegenüber Viren zu stärken. Neben der jetzt selbstverständlichen Hygiene und Körperpflege kann dies bedeuten, sich gesund und ausreichend vitaminreich zu ernähren und vielleicht auch Vitaminkomplexe einzunehmen. Es bedeutet aber sicher auch, sich draußen in der Natur zu bewegen, genügend Sauerstoff aufzunehmen und die beruhigende Atmosphäre und Verbindung mit der Natur wahrzunehmen. Es bedeutet darüber hinaus, dafür zu sorgen, sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, für ausreichend Schlaf zu sorgen, Erotik, Sexualität und Zärtlichkeit Raum zu geben, sich zu pflegen und schön zu machen, sich zu entspannen und vieles mehr.

Resilienz ist im Grunde eine psychosoziale Kompetenz, die auf der Fähigkeit basiert, sein eigenes Leben gestalten zu können. Es geht darum, wirksam auf unsere eigene Gesundheit und unsere Lebensführung Einfluss nehmen zu können. In Bezug auf Corona kann dies bedeuten, den Blick von der Angst, der Bedrohung, der Hilflosigkeit und Ohnmacht hinzulenken zur eigenen Hoffnung, zu Mut, zum Selbstvertrauen, zur eigenen Kraft, zu den eigenen Kompetenzen und Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die eigene Gesundheit: „Ich bin nicht nur ausgeliefert, sondern ich kann etwas tun!“ Es ist nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten, positive Erfahrungen von Lebensfreude, Lebenslust, Kreativität und Glück zu haben, auch um ein inneres Gleichgewicht immer wieder herzustellen gegenüber begründeten Ängsten und Unsicherheiten.

Genauso basiert unsere Resilienz auf unserer Fähigkeit, tragfähige und erfüllte Beziehungen zu entwickeln und zu pflegen. Während physischer Abstand in bestimmten Situationen sinnvoll ist, ist das „social distancing“ begrifflich gesehen katastrophal. Denn es kann gar nicht darum gehen, dass wir sozial miteinander in Distanz treten und damit andere Menschen für uns Fremde werden, Andersartige, Gefährliche. Es geht um Zusammenhalt und Integration und nicht um Distanz, auch im persönlichen Leben. Ein wesentlicher – vielleicht sogar der entscheidende Resilienzfaktor – ist „social support“, also mitmenschliche Unterstützung. Resilienz entsteht durch tragfähige, unterstützende, ehrliche und letztendlich liebevolle Beziehungen. Gelebte Liebe stärkt unser Immunsystem, trägt uns im Leben, in existenziellen Notsituationen, hilft uns Krisen zu überstehen, zu heilen und vielleicht sogar in Würde zu sterben. Dabei geht es sicher um mehr als um Kontakte und Austausch in sozialen Medien, sondern um die persönliche Begegnung von Menschen, die sich wertschätzen, achten und bereit sind, zu unterstützen. Unsere Familie und unsere Eltern brauchen Unterstützung, wir brauchen unsere Freunde, um uns gegenseitig zu balancieren und zu regulieren, aber auch, um miteinander glücklich zu sein und das Leben zu feiern. Wir sind herausgefordert zu sozialer Verantwortung, aber auch zu sozialer Reife und dem Respekt gegenüber Menschen, die eine andere Meinung haben.

Die vielleicht interessanteste Grundlage der Resilienz ist geistige Kompetenz. Dies bedeutet sowohl die Fähigkeit zur geistigen Klarheit als auch dazu, ein sinnvolles Leben führen zu können. Geistige Kompetenz muss entwickelt und geübt werden. Sie besteht nicht nur in der kognitiven Kompetenz logischen und rationalen Denkens, sondern bedeutet auch, im Sinne der Achtsamkeit oder der inneren Beobachtungsfähigkeit Informationen filtern zu können, sich von vorgefertigten Meinungen und Ideologien lösen zu können, andere Perspektiven und Blickwinkel einnehmen zu können und damit auch Komplexität zulassen zu können. Geistige Kompetenz heißt also, sich gerade in den gegenwärtigen Bedingungen nicht polarisieren zu lassen und selbst auch nicht zu polarisieren in Befürworter oder Gegner, Machteliten oder Verschwörungstheoretiker, Angstmacher oder Verharmloser usw.

Und durch Todesbedrohung und Bewegungseinschränkungen entsteht natürlich auch die Herausforderung, inne zu halten und sich den Grundfragen des Lebens zu stellen:

Führe ich ein sinnvolles Leben?

Stehe ich hinter dem, was ich tue?

Was sind meine tiefsten inneren Werte?

Was kann ich tun, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben und sie in meinem Leben zu verwirklichen?

Habe ich einen spirituellen Bezug zu etwas Größerem, das mich überschreitet und mich trägt?

Wäre dies eine Zeit um Meditation, Achtsamkeit oder Stille zu lernen?

Sinn zu empfinden und im Leben auszudrücken, hat ein enormes gesundheitsförderliches Potenzial. Es bedeutet, für etwas tätig zu sein, das größer ist als ich und über mich hinausgeht, wie beispielsweise in religiöser, ökologischer, politischer Betätigung, oder für die eigene Familie oder die Nachbarschaft da zu sein.

Und angesichts der Endlichkeit und Sterblichkeit des Lebens, auf das wir als Menschen in dieser Zeit aufmerksam gemacht werden, geht es sicher um mehr als um Corona-Resilienz: Es bedeutet, Sterben als Teil des Lebens betrachten zu können und neben dem sicher notwendigen Kampf gegen vorzeitigen oder unnötigen Tod dem Sterben seine Würde zu geben und es in Mitmenschlichkeit und mit liebendem Herzen zu begleiten. Es bedeutet aber darüber hinaus auch, die Würde des Lebens zu vergegenwärtigen, für das Geschenk dieses Lebens dankbar zu sein und es zu lieben oder lieben zu lernen, wo es uns noch nicht gelingt.

Inzwischen haben auch die Krankenkassen Zahlen vorgelegt, nachdem insgesamt 2020 die Krankschreibungen zwar etwas zurückgegangen sind (vorwiegend durch weniger „Grippe“- Fälle), aber die Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen (vorwiegend Depressionen) deutlich zugenommen haben. Das ist auch nicht verwunderlich, wie ich es ja im Interview im Herbst letzten Jahres prognostiziert habe. „Corona-Burnout“ ist inzwischen ein gesellschaftlich relevanter Prozess, der viele psychische Dekompensationen zur Folge hat: neben Angsterkrankungen und Suchtentwicklungen natürlich depressive Störungen auch mit schweren Verläufen bis zum Suizid. Das darf nicht übersehen werden und braucht eine gesellschaftliche Würdigung und Aufmerksamkeit.

Ich habe bereits mit einer Gruppe psychosomatischer Chefärzte 2010 (Aufruf zur psychosozialen Lage in Deutschland) und erneut 2016 (Aufruf zum Leben) in 2 Aufrufen auf die seelische Überforderung unserer Gesellschaft hingewiesen und zu einem gesellschaftlichen Dialog aufgefordert.

Der erste Aufruf endete mit dem Worten: „Wir brauchen mehr Herz für die Menschen“.

Der zweite endete mit den Worten: „Lasst uns in Würde zusammenleben.“

Dies war wohl prophetisch, denn es ist wichtiger denn je.

Wenn ein großer Teil der Menschen mehr Zeit und Entschleunigung für sich aus Corona mitnimmt, ist dies sicher ein Gewinn, der natürlich den gesellschaftlichen Druck widerspiegelt, unter dem bewusst oder unbewusst ein großer Teil unseres Lebens vor Corona „gelitten“ hat. Das zunehmende Ausmaß psychischer Belastungen und die Abnahme sozialer Unterstützungssysteme vor Corona ist abgelöst worden durch die Corona-bedingten Ängste, Stress-Situationen und Vereinsamungen mangels ausreichendem Social Support (statt Social Distancing).

Ein Teil der Gesellschaft genießt sicher die erzwungene Entschleunigung, Home-Office und „Kurzarbeit“, für einen anderen ebenfalls erheblichen Teil hat sich der eine Stress durch einen anderen abgelöst.

Und wenn wir konstruktiv auf die Zukunft schauen wollen, dann brauchen wir zunächst ein sehr ehrliches nicht verschleierndes und schönredendes Gespräch über unsere Seele, über unser Zusammensein, über die Bedeutung von Begegnung, Freundschaft und die Grundwerte unseres Zusammenlebens. Denn sonst überwinden wir vielleicht das Virus oder lernen mit ihm zu leben, scheitern aber an unserem Leben und werden nicht miteinander glücklich.

Habt euch lieb!

Mit der Botschaft “Habt euch lieb!” möchten die Heiligenfeld Kliniken darauf aufmerksam machen, dass wir in der aktuellen Situation der Corona-Krise Beziehungen, Respekt und Wertschätzung mehr denn je brauchen.

Unsere Resilienz basiert auf unserer Fähigkeit, tragfähige und erfüllte Beziehungen zu entwickeln und zu pflegen. Während physischer Abstand in bestimmten Situationen sinnvoll ist, ist das „social distancing“ begrifflich gesehen katastrophal. Ein wesentlicher – vielleicht sogar der entscheidende Resilienzfaktor – ist dagegen „social support“, also mitmenschliche Unterstützung. Resilienz entsteht durch tragfähige, unterstützende, ehrliche und letztendlich liebevolle Beziehungen. Gelebte Liebe stärkt unser Immun­system, trägt uns im Leben, in existenziellen Notsituationen, hilft uns Krisen zu überstehen, zu heilen und vielleicht sogar in Würde zu sterben. Dabei geht es um mehr als um Kontakte und Aus­tausch in sozialen Medien, sondern um die persönliche Begegnung von Menschen, die sich wert­schätzen, achten und bereit sind zu unterstützen. Unsere Familie und unsere Eltern brauchen Un­terstützung, wir brauchen unsere Freunde, um uns gegenseitig zu balancieren und zu regulieren, aber auch, um miteinander glücklich zu sein und das Leben zu feiern. Wir sind herausgefordert zu sozialer Verantwortung, aber auch zu sozialer Reife und dem Respekt gegenüber Menschen, die eine andere Meinung haben als wir.

Deshalb möchten wir dazu aufrufen, trotz Abstand in Kontakt zu bleiben und einander Liebe und Wertschätzung zu schenken.

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Aufnahme

Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie alles Wissenswerte zur Aufnahme in unsere Kliniken sowie die Aufnahmeunterlagen. 

Wir sind für Sie da!

Haben Sie Fragen zu unserem Behandlungsangebot, zu den einzelnen Kliniken oder zur Aufnahme? Nachfolgend haben wir die relevanten Informationen übersichtlich zusammengefasst – für Sie als Zuweiser*in genauso wie für Interessent*innen, die sich direkt informieren möchten!

Welche Klinik ist die „Richtige“?

Unsere Krankenhäuser unterscheiden sich unter anderem in Bezug auf die jeweils zuständigen Kostenträger. Einen Überblick finden Sie nachfolgend:

Kostenträger Private Krankenversicherung (im Volltarif), Beihilfe (in Verbindung mit einer Privaten Krankenversicherung) und Selbstzahler*innen:
• Parkklinik Heiligenfeld Bad Kissingen
• Heiligenfeld Klinik Berlin
• Heiligenfeld Klinik Waldmünchen

Kostenträger Gesetzliche Krankenkasse:
• Fachklinik Heiligenfeld Bad Kissingen
• Heiligenfeld Klinik Uffenheim
• Heiligenfeld Klinik Waldmünchen

Bei allen Fragen rund um das Aufnahmeverfahren beraten Sie unsere Teams im Aufnahmemanagement (Kontakt s. u.). Wir sind für Sie da und unterstützen Sie individuell auf Grundlage Ihres Versicherungsverhältnisses bei der Wahl der geeigneten Klinik.

Kontakt

Unsere Teams im Aufnahmemanagement beantworten Ihnen sämtliche Fragen zur Aufnahme in unsere Kliniken und zum Behandlungsangebot – persönlich und unverbindlich.

 

Kontakt | Zentrales Aufnahmemanagement
Bad Kissingen, Berlin und Uffenheim

Interessent*innen
Tel. 0971 84-8888
info@heiligenfeld.de

Zuweiser*innen
Tel. 0971 84-4444
info@heiligenfeld.de

Montag – Donnerstag 07:30 – 18:00 Uhr
Freitag 07:30 – 15:00 Uhr

 

Kontakt | Aufnahmemanagement
Heiligenfeld Klinik Waldmünchen

Tel. 09972 308-0
waldmuenchen@heiligenfeld.de

Montag – Donnerstag 08:00 – 16:30 Uhr
Freitag 08:00 – 14:00 Uhr

Spezielle Informationen für Zuweiser*innen

Uns ist es wichtig, Sie im Prozess der Zuweisung bestmöglich zu unterstützen – mit den erforderlichen Unterlagen genauso wie auch durch die kompetente Beantwortung Ihrer Fragen rund um unsere Kliniken, das Behandlungsangebot und die Aufnahme.

Herausforderungen der Corona-Krise

Möchten Sie sich weiter zum Thema Corona-Burnout informieren?

Wir haben eine Sammlung von Videos und Podcasts aus den Heiligenfeld Kliniken zusammengestellt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Zum Beispiel spricht Dr. Joachim Galuska, Gründer der Heiligenfeld Kliniken, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie für Psychiatrie in einem Interview über seine Besorgnis hinsichtlich der psychischen und psychosomatischen Folgen der Corona-Pandemie.

In einem Podcast spricht Psychologin Dr. Petra Kingsbury (Heiligenfeld Klinik Waldmünchen) darüber, vor welche Herausforderungen uns die Corona-Krise stellt und wie wir sie bewältigen können.

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Dr. Joachim Galuska blickt besorgt auf die psychischen und psychosomatischen Folgen der Corona-Pandemie und spricht von einem “Corona-Burnout”.

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Kerstin Hamme-Hategekimana ist Psychologin und Kreativtherapeutin in den Heiligenfeld Kliniken. Welche Auswirkungen die Pandemie auf die Psyche belasteter Menschen hat, erlebt sie in ihrem Behandlungsalltag. Im Interview spricht sie über Vereinsamung und Traumatisierung im Zuge der Pandemie.

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Rainer-Maria Christoph Synder ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut in der Parkklinik Heiligenfeld. In diesem Interview erklärt er, mit welchen Problemen die Menschen aktuell in die Heiligenfeld Kliniken kommen, welche Personengruppen besonders vom Corona-Burnout betroffen sind und wie man wieder neuen Mut schöpfen kann.

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In der aktuellen Situation geraten manche Menschen in eine spirituelle Krise und fragen sich: Wenn es einen Gott oder eine höhere Einheit gibt, warum lässt er zu, dass dieses Virus unter uns wütet? Warum lässt er dieses Leid zu? Unsere Kreativtherapeutin Hakima Gote hat sich in der neuen Episode unseres Heiligenfeld-Podcasts dieser schwierigen Frage gestellt.

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Marco Canterino ist Psychologe in den Heiligenfeld Kliniken. In diesem Interview erklärt er, wie die Corona-Krise Auslöser oder sogar Ursache persönlicher Krisen sein kann. Gerade die Einschränkungen durch Infektionsschutzmaßnahmen treffen belastete Menschen empfindlich, doch eine wirksame Therapie ist auch in der Pandemie möglich.

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Prof. Dr. Barbara v. Meibom im Gespräch mit Dr. med. Joachim Galuska – In Coronazeiten wird nicht nur mit Angst operiert, sondern auch das Wissen darüber vernachlässigt, was unsere Gesundheit fördert. 
www.communio-fuehrungskunst.de
www.joachim-galuska.de

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Dr. Hans-Peter Selmaier, Chefarzt der Fachklinik Heiligenfeld spricht in diesem Video über die Herausforderungen der Corona-Krise. Das gerade jetzt die Menschen stark an Einsamkeit leiden und besondere Hilfe benötigen.

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Die Corona-Krise hat den Alltag vieler Familien auf den Kopf gestellt. Home Office, Heimunterricht und Ausgangsbeschränkungen zehren an den Nerven, verursachen Stress und Konflikte. Welche Hilfe Eltern, Kinder und junge Erwachsene, die sich jetzt psychisch besonders belastet fühlen, in der Heiligenfeld Klinik Waldmünchen finden können, erklärt Dr. med. Heinz-Josef Beine.

Unsere Blogbeiträge zum Thema "Corona-Burnout"

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Gerne beantworten wir Ihnen persönlich Ihre Fragen zur Aufnahme und zur Behandlung in den Heiligenfeld Kliniken.

Rufen Sie uns an, unter der Telefonnummer: 0971 84-4444.