Dr. Selmaier: Ein Burnout tritt nicht plötzlich auf

Bad Kissingen – Unter dem Motto „Gestresste Gesellschaft - Was tun?“ hat der „Arbeitskreis Psychosomatisches Versorgungsnetz Main-Rhön“ im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober eine Informationsveranstaltung durchgeführt. Hauptredner des Abends Dr. Hans-Peter Selmaier, Chefarzt der Fachklinik Heiligenfeld, aber auch der Vorsitzende und Gründer der Heiligenfeld GmbH, Dr. Joachim Galuska, und Elisabeth Lamprecht, Mitglied des Vorstands des Arbeitskreise Psychosomatisches Versorgungsnetz Main-Rhön informierten die etwa 60 Besucher  darüber, warum Stress manche Menschen krank macht und andere wiederum nicht, oder wie unser Zusammenleben stressfreier gestaltet werden kann, um nur einige wenige Aspekte des Abends zu nennen.

Dr. Hans-Peter Selmaier erinnerte daran, dass bereits im Jahr  2010 Dr. Joachim Galuska und weitere leitende Ärzte psychosomatischer Kliniken in einem Aufruf zur psychosozialen Lage in Deutschland ihre tiefe Erschütterung über das Ausmaß seelischer Erkrankungen und psychosozialer Probleme zum Ausdruck gebracht haben. Sie wollten damit auf eine besorgniserregende Entwicklung aufmerksam machen und einen offenen gesellschaftlichen Dialog über die möglichen Ursachen und Konsequenzen anstoßen.

Diese immer noch zunehmenden psychosozialen Belastungen des Einzelnen entstehen laut Dr. Selmaier durch individuellen und gesellschaftlichen Stress, wie beispielweise Leistungsanforderungen, einer Informationsüberflutung, persönliche und berufliche Überforderungen, Konsumverführungen aber auch durch viele andere Ursachen. „Ein Burnout tritt nicht plötzlich auf. Aus Vernachlässigung eigener Bedürfnisse entstehen allmählich Leere und Depressionen, ohne dass man sich dessen bewusst ist“, warnte Dr. Selmaier.

In seinen weiteren Ausführungen ging der Chefarzt der Fachklinik Heiligenfeld darauf ein wie Stress entsteht, wie Stress und gesellschaftliche Missstände zusammenhängen, aber auch warum Süchte Stress verstärken können. Nicht nur der Einzelne, sondern auch die Gesellschaft kann etwas gegen Stress tun, sagte Dr. Selmaier. Die Pflege von Hobbies, Bewegung und Sport, aber auch einfach mal Nichtstun, Achtsamkeit oder Meditation helfen beispielsweise gegen Stress. Im beruflichen Bereich helfen beispielsweise sorgfältige Organisations- und Teamentwicklung, Supervisionen und Coaching weiter.

Im Anschluss diskutierten die Besucher mit Dr. Selmaier, Dr. Lamprecht und Dr. Galuska angeregt über die gestresste Gesellschaft und Strategien den inneren Druck besser zu bewältigen. 

Von links: Dr. Joachim Galuska, Elisabeth Lamprecht (Arbeitskreis Psychosomatisches Versorgungsnetz Main-Rhön) und Dr. Hans Peter Selmaier. Foto: Toni Hauck

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