Heiligenfelder Kongress "Kairos" - Bad Kissingen stand im Zeichen des Wandels

Bad Kissingen – Mehr als 1000 Teilnehmer kamen vom 7. bis 10. Juni zum Heiligenfelder Kongress nach Bad Kissingen. Etwa 70 Referenten sprachen zum diesjährigen Thema "Kairos – Den Wandel gestalten", wobei viele von ihnen tieferführende Workshops anboten. "Unsere Zeit ist unübersichtlich, beängstigend und kritisch" sagte Dr. Joachim Galuska, Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung der Heiligenfeld Kliniken, zur Eröffnung des Kongresses. Dr. Galuska ergänzte, dass es aber auch eine Zeit voller Potenziale sei, neuer Ideen und Entwicklungen, eine Zeit von neuem und umfassendem Bewusstsein.

Legt man die Dauer und Intensität des Applauses als Maßstab zugrunde, dann war die Philosophin und Autorin Dr. Natalie Knapp absoluter Publikumsliebling. Sie fesselte am Samstag die Kongressteilnehmer mit ihrem Vortrag zum Thema "Die Unsicherheit als schöpferisches Potenzial". Dr. Knapp rief dazu auf, die Unsicherheit nicht aus der Welt verbannen zu wollen. "Wenn wir die Unsicherheit aus der Welt schaffen, verlieren wir die Freiheit, die Hoffnung, die Kreativität, das Leben und die Polaritäten des Lebens", so Knapp. Für ihre Ausführungen bekam sie Standing Ovations.

"Next Europe – Die Zukunft Europas" lautete der Titel des Plenumsvortrags zur Eröffnung des Kongresses am Donnerstag von Prof. Dr. Dr. Felix Unger, dem früheren Herzchirurgen und Präsidenten der "Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste" in Salzburg. "Next Europe" sei ein Thema, in dem der Wandel eine entscheidende Rolle spiele. Aus vielen kleinen Situationen, mit Blick auf das Ganze, bekomme man einen Hinweis auf notwendige Schritte für die Zukunft. Der Wandel muss laut Prof. Unger in der Gesellschaft stattfinden. Ein besonderer Dorn im Auge sei ihm die Bürokratie. Er bezeichnete sie in seinem Vortrag als "die Züchtigung der Niemande".

"Kairos – Die erfüllte Zeit" war das Thema des Plenumsvortrags am Freitag von Prof. Dr. Claus Eurich (Professor für Journalismus an der TU Dortmund und Kurator der Stiftung Bewusstseinswissenschaften). Unter anderem ging er in seinen Ausführungen auf ein "Kairos förmiges Leben" ein. "Irgendwann kommt der Zug deines Lebens. Du musst immer mit gepackter Tasche am Bahnhofsgleis stehen. Der Zug kommt kein zweites Mal", sagte Prof. Dr. Eurich. Der Unternehmer Bodo Janssen ließ in seinem Vortrag "Die Zeit als Präsent" an seinen Erfahrungen teilhaben. "Ich habe gelernt, nicht meinen Terminen Prioritäten zu setzen, sondern meinen Prioritäten Termine.", so Janssen.

Den Abschluss-Plenumsvortrag "Lust auf Zukunft - Wie wir die Wende schaffen" hielt der bekannte Journalist Dr. Franz Alt, der im Juli seinen 80sten Geburtstag feiert. Von Ruhestand kann bei ihm keine Rede sein. Unerlässlich setzt er sich gegen den Klimawandel und für die Nutzung erneuerbarer Energien ein. "Wir organisieren unser eigenes Ende, wenn wir so weitermachen", sagte er in seinem Vortrag. Und wir seien die erste Generation, die dem lieben Gott ins Handwerk pfusche, kritisierte er. Die Risse im Grönland-Eis seien die Vorzeichen dafür, dass der Meeresspiegel steige. "Bangladesch liegt nur drei Meter über dem Meeresspiegel. Die Bevölkerung dort hat keine Chance", sagte Dr. Alt. Die Hälfte dieses Landes werde zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr bewohnbar sein. "Wir müssen die Energie vom Chef (gemeint ist Gott) selbst, also von der Sonne nutzen", fordert Dr. Alt. Dennoch sieht der bekannte Journalist nicht nur schwarz: "Probleme, die Menschen geschaffen haben, sind immer auch von Menschen lösbar."

Bei den über 1000 Teilnehmern des Kongresses handelte es sich um branchenspezifisches  Fachpublikum, Ärzte, Therapeuten und interessierte Laien. Von der wichtigsten Tagung der Kurstadt profitiert auch die heimische Wirtschaft. Die Akademie Heiligenfeld als Veranstalter stellt keine Zimmerkontingente zur Verfügung, sondern teilte den Kongressteilnehmern bereits im Vorfeld mit, sich ihre Unterkünfte selbst zu suchen.

Die Leiterin der Akademie Heiligenfeld, Anita Schmitt, zieht ein positives Resümee: "Der Kongress war wieder einmal großartig. Wir hatten eine einzigartige Atmosphäre mit Menschen, die ihr Leben bewusst gestalten und etwas Positives bewegen möchten." Die Referenten seien alle sehr gut gewesen und konnten den Kongressteilnehmern neue Impulse geben. Und: Nach dem Kongress ist vor dem Kongress. Dieser findet unter dem Titel "Achtsamkeit: Evolution – Bewusstsein – Menschen vom 16. bis 19. Mai 2019 in Bad Kissingen statt. Knapp 400 Teilnehmer haben sich dafür bereits direkt beim diesjährigen Kongress angemeldet.

Der Journalist Dr. Franz Alt bei seinem Plenumsvortrag auf dem Heiligenfelder Kongress. Im Hintergrund ist er mit dem Friedensnobelpreisträger Dalai Lama zu sehen. Beide verbindet eine langjährige Freundschaft. Foto: Kai Fraass

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