Wenn der Schmerz das Leben bestimmt

Bad Kissingen – Schmerz ist überlebenswichtig. Schmerz ist ein Warnsignal. Andererseits kann Schmerz ein Leben zerstören. Er kann Fühlen, Denken und Handeln bestimmen, er kann Lebensfreude, das Lachen und die Zuversicht nehmen. Er macht einsam wenn er nicht weichen will und chronisch geworden ist. Der chronische Schmerz ist ein Vernichter und ein Folterknecht. Und genau unter diesem quälenden, kaum zu ertragenden chronischen Schmerz leiden nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. in der Bundesrepublik 17 Prozent der Bevölkerung. Geschätzt sind es mehr als 15 Millionen Menschen, die an andauerndem oder wiederkehrendem Schmerz leiden. Nur für die flächendeckende Versorgung allein dieser besonders schwer betroffenen Kranken wären in Deutschland mindestens 2000 schmerztherapeutische Einrichtungen notwendig, in denen Ärzte und Psychologen und Therapeuten zusammenarbeiten. Doch die Realität sieht laut Deutsche Schmerzliga e.V. anders aus: tatsächlich gibt es nur etwa 500 bis 600 Spezialisten, die ausschließlich Schmerztherapie betreiben.

Dr. Martin Gessler, einer der Schmerzpioniere Deutschlands, ist einer dieser Spezialisten. Er leitet die im April 2018 ins Leben gerufene Abteilung für stationäre multimodale Schmerztherapie für Patienten mit chronischen Schmerzen in der Luitpoldklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen. Was hinter dem Wortungetüm "multimodal" steht, beschreibt Dr. Gessler folgendermaßen: "Multimodal bedeutet, dass im Gegensatz zu einer einzigen Methode gleichzeitig mehrere Methoden von mehreren Fachspezialisten aus verschiedenen Fachgebieten angeboten werden. Das heißt, es arbeiten mehrere Spezialisten gemeinsam für das Wohl eines Patienten. Es gilt diesem komplexen Geschehen, das jetzt nicht nur einfach eine Verletzung ist, sondern ein psychosomatisches Gebilde aufgebaut hat, gerecht zu werden."

Rückenschmerzen sind zum Beispiel eine der wichtigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Beinahe jeder dritte Erwachse habe laut dem Statistik-Internetportal statista.com öfter oder ständig Rückenbeschwerden. Doch wann können diese als chronische Rückenschmerzen bezeichnet werden? "Chronisch sind die Schmerzen, wenn sie nach der Behandlung und dem Abklingen einer möglichen Ursache wie ein Unfall oder eine Fehlbelastung, aber auch ohne erkennbare äußere Ursachen, über drei Monate und länger bestehen und so ihre ursprüngliche Schutz- und Warnfunktion verloren haben.", sagt Dr. Gessler. Eine Warnfunktion bleibt dennoch. Sie würden beispielsweise vor sozialen oder psychosomatischen Störungen warnen, ergänzt der Schmerzspezialist der Luitpoldklinik Heiligenfeld.

Die stationär multimodale Schmerztherapie dauert in der Regel 28 Tage und basiert auf dem Zusammenspiel von ergotherapeutischer Beratung, Bewegungstherapie, Entspannungstherapie, verhaltenstherapeutische orientierter und psychodynamischer Gruppenpsychotherapie sowie gesundheitsbildender Maßnahmen. Somit handelt es sich um eine ganzheitliche medizinsch-bewegungstherapeutisch-psychotherapeutisch-psychosoziale Behandlung.

Schon bald stand aufgrund der Erfolge fest, dass die Therapie (für Privatpatienten und Selbstzahler) ausgebaut werden musste. Dazu der Ärztliche Direktor der Heiligenfeld Klinken, Dr. Jörg Ziegler: "Wir haben die schmerztherapeutische Abteilung der Luitpoldklinik Heiligenfeld erweitert und können dadurch künftig auch Patienten mit unterschiedlichsten Schmerzerkrankungen wie beispielsweise Migräne oder Nervenschmerzen zur stationären multimodalen Schmerztherapie aufnehmen und somit behandeln."

Informationsveranstaltung

"Wir haben was gegen Schmerzen", lautet der Titel einer Informationsveranstaltung am Montag, 8. Oktober um 19.30 Uhr in der Luitpoldklinik Heiligenfeld (Raum Panorama) in der Bismarckstraße 24. In seinem Vortrag spricht Dr. Martin Gessler, Leiter der stationären multimodalen Schmerztherapie an der Luitpoldklinik Heiligenfeld, unter anderem darüber, wie Chronischer Schmerz entsteht und wie er therapiert werden kann. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der Leiter der stationären multimodalen Schmerztherapie an der Luitpoldklinik Heiligenfeld, Dr. Martin Gessler. Foto: Petra Balling

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