Der Lehrerberuf – Begeistert viele, überlastet einige

Krankschreibungen aufgrund von (übermäßigem) Stresserleben haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Auf Platz 1 der “Häufigen oder dauerhaften Beschwerden nach individueller Stressbelastung” werden in der “TK-Stressstudie 2016” Verspannungen bzw. Rückenschmerzen genannt (54 Prozent), auf Platz 2 Erschöpfung und das Gefühl des Ausgebranntseins (31 Prozent). Viele der Betroffenen schaffen es auch am Abend und an den Wochenenden nicht, den Kopf freizubekommen, “abzuschalten”. Die zunehmende Digitalisierung mag hier eine Rolle spielen – eine wachsende Vernetzung der Lebensbereiche und damit verbunden eine zunehmende Vermischung von Arbeit und Privatleben. Die Übergänge werden fließender, E-Mails landen auf dem Smartphone in der Hosentasche und nicht mehr nur auf dem PC im Arbeitszimmer. Flexibilität hat auch ihre Schattenseiten – die steigende Zahl der Burnout-Fälle könnte eine davon sein.

Nach wie vor gibt es zwar keine einheitliche und allgemeingültige Definition dessen, was unter einem Burnout zu verstehen ist. Sowohl die Theorien zur Entstehung als auch die zugehörigen Symptome sind vielfältig. Einigkeit herrscht indes darüber, dass es sich vorwiegend um einen Zustand der körperlich-geistigen Erschöpfung handelt, der zu Leistungseinbußen führt und einen Bezug zur Arbeitstätigkeit aufweist. Risikofaktoren können benannt werden: Hohes Engagement gehört dazu, ebenso eine große Verantwortung in der beruflichen Position (tatsächlich oder gefühlt). Eine Burnout-Entwicklung erstreckt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum bis hin zu mehreren Jahren. Und es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass vor allem Personen in helfenden und sozialen Berufen sowie im Bildungsbereich Tätige hiervon betroffen sind. Ein Gutachten des Aktionsrates Bildung zum Thema “Psychische Belastungen und Burnout beim Bildungspersonal” aus dem Jahr 2014 bezieht hier Position: “In Studien, in denen berufsgruppenvergleichende Aussagen getroffen werden können, sind die Beschäftigtengruppen aus dem Bildungswesen typischerweise unter denjenigen, die sich als besonders stark belastet erleben”.

Gleichzeitig gilt für den Lehrerberuf: 91 Prozent gehen gerne oder sogar sehr gerne zur Arbeit. Für 98 Prozent war die Freude an der Vermittlung von Wissen an junge Menschen ein zentraler Grund für die Berufswahl und 64 Prozent würden den Lehrerberuf weiterempfehlen. Zu diesen Ergebnissen kommt der Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE) in seiner repräsentativen Forsa-Studie “Zufriedenheit im Lehrerberuf”, durchgeführt in 2016. Hierin wurden die Lehrkräfte auch gefragt, was sie als “unbedingt erforderlich” für die Ausübung des Lehrerberufs ansehen. Nahezu alle (93 Prozent) benannten “ein gutes Verhältnis zu und Hilfsbereitschaft unter den Kollegen”, gefolgt von “einer guten Zusammenarbeit mit den Eltern” (89 Prozent) und “einem Verhältnis zur Schulleitung, das von Respekt und persönlicher Integrität geprägt ist” (ebenfalls 89 Prozent). Der Beziehungsaspekt spielt also eine zentrale Rolle: Kollegialer Austausch und Hilfsbereitschaft sowie auch – insbesondere in der Arbeit mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen – ein interdisziplinäres Team aus Lehrkräften, Sonderpädagogen und Schulpsychologen wäre wünschenswert. Oder im letztgenannten Fall nach Ansicht vieler Experten sogar zwingend notwendig, um den emotionalen und sozialen Herausforderungen eines inklusiven Unterrichts angemessen begegnen zu können, zu dem sich die Bundesrepublik 2009 durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention selbst verpflichtet hat.

Letztlich stellt sich die Frage, wie ebendiesen Herausforderungen angemessen begegnet werden kann. Staatliche und institutionelle Anstrengungen sind hier genauso gefragt wie persönliche Maßnahmen jedes Einzelnen. Und letztere vielleicht in besonderem Maße, wie ein weiteres Ergebnis der Forsa-Studie zur “Zufriedenheit im Lehrerberuf” nahelegt: 85 Prozent erleben es als belastend, “dass Politiker bei Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht ausreichend beachten”.

Dem erlebten Stress gilt es also zu begegnen, etwa indem man Hobbys nachgeht, Zeit mit der Familie oder mit Freunden verbringt, sportlich aktiv wird oder einfach mal nichts tut. Ein Patentrezept für Entspannung gibt es nicht, sondern nur individuelle Vorlieben und persönliche Erfahrungen, was am besten hilft. Was aber tun, wenn Stress nicht zeitweise und begrenzt auftritt, sondern zu einer Regelmäßigkeit oder gar zu einem Dauerzustand wird? Die “Stressstudie 2016” der TK formuliert hier: “Von den häufig Gestressten hat fast jeder Zweite in den vergangenen drei Jahren psychische Beschwerden gehabt” (S. 50). Stress macht also auf Dauer krank. Oder kann auch kurzfristig ein Ausmaß erreichen, das alleine nicht zu bewältigen ist. Dann die richtigen Schritte zu gehen, sich professionelle Hilfe zu suchen ist entscheidend und sollte nicht hinausgezögert werden. Je schneller, desto besser! Ein Psychologe oder Psychotherapeut, ein Psychiater oder ganz einfach der Hausarzt können Ansprechpartner sein, die entweder direkt helfen oder weitervermitteln.

Die Parkklinik Heiligenfeld bietet speziell für Lehrkräfte ein spezifisches Therapieprogramm, das konkret und alltagsnah auf die Herausforderungen des Lehrerberufs zugeschnitten ist. 28 Jahre Erfahrung in der Behandlung und Begleitung dieser Berufsgruppe zeichnen die Heiligenfeld Kliniken aus. Das ganzheitliche Therapiekonzept verbindet bewährte Psychotherapiemethoden mit Elementen der Achtsamkeitspraxis und betrachtet jede Person als Einheit aus Körper, Seele und Geist, die es vollständig anzusprechen gilt – für eine spürbare und vor allem nachhaltige Linderung der Beschwerden.

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