Burnout-Folgeerkrankungen

Der Alltag vieler Menschen ist geprägt durch Zeitdruck, Hektik und Schnelllebigkeit. Die Ansprüche an Leistungsfähigkeit und Flexibilität steigen, während Phasen der Ruhe, des Ausgleichs und der Regeneration immer spärlicher zu werden scheinen. Überforderung, Erschöpfung und letztlich auch psychische und psychosomatische Erkrankungen können die Folge sein.

Burnout selbst ist nicht als Krankheit zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um eine Entwicklung, die manchmal über Jahre hinweg verlaufen kann – bis letztlich tatsächlich eine diagnostizierbare Erkrankung, etwa eine Depression oder Angststörung, auftritt. Der Betroffene bricht zusammen, seine Leistungsfähigkeit geht rapide zurück und es kommt zu Krankheitssymptomen, die ganz verschieden sein können. In Fachkreisen spricht man von einer Dekompensation: Der Mensch ist nicht mehr in der Lage, sich aufrechtzuhalten, Belastungen auszugleichen und Anforderungen zu bewältigen. Gerade in den letzten fünf bis zehn Jahren ist das Thema "Burnout" stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Eine generelle Zunahme psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung und steigende Arbeitsunfähigkeitstage infolge psychischer Belastungen kennzeichnen eine Entwicklung – "der Wind wird rauer". Erfolgsdruck, Konkurrenzdenken und Profitmaximierung bestimmen in weiten Teilen Wirtschaft und Gesellschaft. Der einzelne Mensch ist dem ausgesetzt, hat Angst vor dem Scheitern, trägt die Eigenverantwortung und ahnt die "eigenen Schuld", sollte er nicht standhalten können. Das Resultat ist die ständige Erreichbarkeit und Selbstoptimierung. Eigene Grenzen werden ignoriert, Bedürfnisse ausgeblendet und der eigene Wert vielfach nur noch über Leistung und Erfolg definiert. Aktivität mündet in Überaktivität. Irgendwann sind die Reserven aufgebraucht, doch auch dann werden die Warnzeichen oftmals noch ignoriert. Schließlich ist der körperliche und seelische Zusammenbruch die letzte Konsequenz.

Resilienz wird daneben als Schutzfaktor bei Belastungen, Lebenskrisen und Notlagen verstanden, im Sinne einer Widerstandsfähigkeit und Flexibilität. Resiliente Personen besitzen die Fähigkeit, Druck und Anforderungen auszugleichen oder sogar daran zu wachsen.

Der Burnout-Prozess

In der öffentlichen Diskussion und in den Medien wird der Begriff "Burnout" unterschiedlich definiert. In der Fachwelt besteht jedoch weitgehend Einigkeit:  Es handelt es sich bei Burnout nicht um eine medizinische Diagnose, sondern um einen in der Gesellschaft immer mehr akzeptierten Überbegriff für einen schleichenden Prozess des Ungleichgewichts und der Erschöpfung.

Burnout ist also keine Erkrankung im klassischen Sinne, sondern eine Entwicklung, die sich oft über einen langen Zeitraum erstreckt. Am Ende steht ein kranker Mensch mit den vielfältigen Anzeichen körperlicher und psychischer Erschöpfung, aber auch mit speziellen Symptomen, die von "Folgeerkrankungen" sprechen lassen: Depression, Angststörung, Sucht, somatoforme Schmerzstörungen usw.

Eine der bekanntesten Darstellung des Burnout-Prozesses ist das 12-Stadien-Modell von Herbert Freudenberger (1974), welches Sie nebenstehend finden.
Ab Stadium 6 etwa ist professionelle Hilfe erforderlich.

Eine Burnout-Entwicklung verläuft typischerweise in Phasen:

1. Überaktivität:

Diese erste Phase ist gekennzeichnet durch übertriebenes Engagement und extremes Leistungsstreben, um sich selbst etwas zu beweisen oder Erwartungen zu erfüllen. Das Gefühl der eigenen Unentbehrlichkeit und  ein überhöhtes Bedürfnis nach Anerkennung geht einher mit der Verleugnung der eigenen Bedürfnisse oder Probleme.

2. Reduziertes Engagement:

Hier entstehen zunehmend negative Einstellungen zur Arbeit, zu den anderen Menschen und zu sich selbst. Engagement und Einsatz werden reduziert. Selbstzweifel, Rückzug und Ängstlichkeit treten in den Vordergrund.

3. Abbau der Leistungsfähigkeit:

Konzentrationsschwierigkeiten, Entscheidungsunfähigkeit, Gereiztheit, Stimmungseinbrüche und Schuldgefühle führen zu ineffizienten Leistungen. Kompensationsversuche durch übermäßiges Essen, Alkohol, Drogen, Sexualität und soziale Medien werden zunehmend erfolglos.

4. Verzweiflung und Depression:

Dies ist die eigentliche Dekompensation, sehr häufig in Form von depressiven Erkrankungen, aber im Grunde abhängig von dem eigenen typischen Dekompensationsmuster, das sich auch in Form von Angststörungen, Suchtentwicklung oder somatoformen Erkrankungen äußern kann.

 

 

Ursachen von Burnout

Für die Entwicklung eines Burnout-Prozesses bis hin zum Auftreten einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung gibt es individuelle und gesellschaftliche Ursachen.

Individuelle Ursachen:

Die psychosoziale Überforderung des Einzelnen durch individuelle und gesellschaftliche Stressoren (etwa Leistungsanforderungen, Informationsüberflutung, seelische Verletzungen und Konsumverführungen) führt dazu, dass wir uns immer weniger an unseren inneren Werten orientieren. Viele Menschen streben vorwiegend nach äußeren Werten wie Geld, Macht oder Status, ohne sich dabei die Frage zu stellen: "Was will ich eigentlich im Leben?" Sie geraten in eine Phase, in der sie sich selbst überfordern, in der sie aus der eigenen Mitte geraten. Besonders Menschen, die sehr perfektionistisch sind, die ein hohes Maß an Verantwortung tragen oder sich verantwortlich fühlen, die sich etwas beweisen wollen und sehr engagiert sind, gelten als gefährdet.

Früher galten hauptsächlich Menschen in sozialen und pflegerischen Berufen als "Risikogruppe". Auch wurde Burnout lange Zeit als "Managerkrankheit" diskutiert. Generell gilt jedoch, dass ein Burnout jeden treffen kann und dass Burnout-Entwicklungen unabhängig von Berufsgruppen, Alter und Geschlecht immer häufiger werden.

Gesellschaftliche Ursachen:

Wir leben in einer Zeit hoher Leistungsorientierung, geforderter Flexibilität und ständiger Erreichbarkeit. Erfolgsdruck und Konkurrenzdenken bestimmen viele Bereiche in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Wert des Menschen bemisst sich zunehmend an seinen Fähigkeiten und Leistungen. Schwächen werden abgewertet und die Verantwortung für ein gelingendes Leben dem Einzelnen auferlegt, im Sinne von: "Du kannst alles erreichen, wenn Du dich nur genügend anstrengst!". Dementgegen steht ein wachsendes Ungleichgewicht zwischen Möglichkeiten und Hindernissen, zwischen Gewinnern und Verlierern. Es besteht eine Tendenz zum "Einzelkämpfertum", da "die anderen" potenzielle Konkurrenten darstellen. Hierdurch geht jedoch die Anbindung des Menschen an tragende soziale und gemeinschaftliche Strukturen verloren. Leistung und Erfolg werden höher geschätzt als (familiäre) Zugehörigkeit – der Arbeitsmarkt verlangt Mobilität und Anpassungsbereitschaft. Für viele Menschen gehen diese gesellschaftspolitischen und marktwirtschaftlichen Entwicklungen mit großer Angst und einem zunehmenden Gefühl der Überforderung einher.  

Warnzeichen

Unser Organismus sendet Signale, die darauf hinweisen, dass das Gleichgewicht gestört ist. Die Selbstregulationsfähigkeit reicht nicht mehr aus, um die Dinge des Leben auszubalancieren.

Warnsignale für einen beginnenden oder bereits fortgeschrittenen Burnout-Prozess können sein:

Körperlich

  • Schlafstörungen
  • Atembeschwerden
  • Engegefühl in der Brust, erhöhter Blutdruck
  • Herzrasen
  • Schwitzen
  • Tinnitus
  • Kopfschmerzen                                                                
  • Schwindel
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • häufigere grippale Infekte
  • Rückenschmerzen
  • sexuelle Probleme
  • Müdigkeit und Erschöpfung

Emotional

  • Unzufriedenheit mit der eigenen Leistungsfähigkeit
  • Versagensängste
  • Niedergeschlagenheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Gefühl mangelnder Anerkennung und Wertschätzung
  • Hilflosigkeit
  • verringerte emotionale Belastbarkeit
  • geringer werdende Freundlichkeit
  • Humorlosigkeit
  • Ärger
  • verstärkte Reizbarkeit
  • unbestimmte Angst und Nervosität
  • Ruhelosigkeit
  • Schuldgefühle
  • grundlose Traurigkeit
  • Neigung zum Weinen
  • Gefühl der inneren Leere
  • Selbstmitleid

Im Denken

  • Konzentrationsstörungen
  • Ungenauigkeiten und Flüchtigkeitsfehler
  • Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben durchzuführen
  • Gedächtnisprobleme
  • Entscheidungsschwierigkeiten
  • Tagträume
  • Fluchtphantasien
  • negative Einstellung zur Arbeit
  • Pessimismus
  • Zynismus, Sarkasmus, Einengung des Denkens

Im Verhalten

  • vermehrte Fehlzeiten am Arbeitsplatz
  • Abneigung gegenüber Klienten und Kollegen
  • Rückzug aus privaten Kontakten
  • Partnerschafts- und Eheprobleme
  • vermehrte Konflikte mit Kollegen
  • vermehrter Alkohol- oder Tablettenkonsum
  • Veränderung des Essverhaltens

Behandlung von Burnout-Folgeerkrankungen

Oft wird eine Burnout-Entwicklung erst erkannt, wenn Folgeerkrankungen eingetreten sind. Tatsächlich kommen zu viele Patienten sehr spät in die Klinik: Bis es zu einer Behandlung kommt, vergehen in der Regel vier bis sieben Jahre.

Häufige Folgeerkrankungen sind:

Resilienz

Die Burnout-Krise kann gleichzeitig als Herausforderung und Chance verstanden werden. Sie gibt dem Einzelnen die Möglichkeit, sich und das eigene Leben kritisch zu reflektieren und Veränderungen anzustoßen. Der Gesellschaft bietet sie die Chance, die psychosoziale Kompetenz der Menschen mehr in den Vordergrund zu stellen. Einen guten Zugang zu dieser Betrachtung stellt der Begriff der Resilienz dar.

"Resilienz" ist ursprünglich ein Begriff aus der Werkstoffkunde für die Fähigkeit eines Materials, nach einer Verformung von außen wieder in seine alte Form zurückzukehren. Im übertragenen Sinne bezeichnet sie die Fähigkeit eines Systems, Irritationen auszugleichen und zu ertragen, ohne dauerhaften Schaden zu nehmen. Bezogen auf den Menschen bedeutet Resilienz so viel wie Widerstandsfähigkeit, Belastungsfähigkeit oder Flexibilität. Im Falle von Lebenskrisen, Krankheiten, schweren Problemlagen oder bei Belastungen im Arbeitsleben gilt sie als Schutzfaktor. Darüber hinaus wird sie noch umfassender als die Fähigkeit definiert, widrige Lebensumstände und Belastungen nicht nur gesund zu überstehen, sondern auch gereift und mit neuen Ressourcen daraus hervorzugehen.

Mit dieser Sichtweise gewinnt auch die Diskussion um den Umgang mit  Burnout-Entwicklungen eine neue Perspektive. Rechtzeitig erkannt und fachgerecht behandelt kann Burnout auch eine Chance bieten, die eigene Widerstandsfähigkeit für alle zukünftigen Belastungen zu erhöhen.

Downloads

Nachfolgend finden Sie den Prospekt zur Behandlung von Burnout-Folgeerkrankungen in den Heiligenfeld Kliniken. Die ebenfalls vorhandene Checkliste soll Ihnen dabei helfen, eine Einschätzung des eigenen Burnout-Risikos vorzunehmen.

Prospekt "Burnout-Folgeerkrankungen"

Checkliste zur Selbstprüfung

Folgende Heiligenfeld Kliniken behandeln Burnout-Folgeerkrankungen

  • Parkklinik Heiligenfeld

    Privatkrankenhaus für psychische und psychosomatische Erkrankungen für Privatversicherte und Selbstzahler
  • Fachklinik Heiligenfeld

    Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und für Psychiatrische Rehabilitation
  • Rosengarten Klinik Heiligenfeld

    Fachklinik für Psychosomatische Rehabilitation
  • Heiligenfeld Klinik Berlin

    Psychosomatische Privatklinik für Privatpatienten und Selbstzahler
  • Psychosomatische Privatklinik Bad Grönenbach

    Psychosomatische Privatklinik für Privatpatienten und Selbstzahler im Allgäu
  • Heiligenfeld Klinik Uffenheim

    Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

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