Wie wichtig ist Gemeinschaft?

Wie wichtig die Gemeinschaft, das Zusammensein wirklich ist, wird uns besonders in dieser Zeit sehr bewusst. Wir müssen Kontakte reduzieren, auf Abstand gehen und uns zurückziehen. Das alles ist notwendig, um die Pandemie einzudämmen, kann aber für unser Seelenleben sehr belastend sein. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen andere Menschen, um mental gesund zu bleiben. Schon bei unserer Geburt werden wir in eine Gemeinschaft, den Familienverbund, hinein geboren und so bauen wir das ganze Leben lang unterschiedliche Gemeinschaften und Gruppen auf, um das Gefühl der Zugehörigkeit zu kultivieren. In der Individualpsychologie nach Alfred Adler ist das Ziel jedes Menschen, einen Platz zu haben, angenommen zu sein, geliebt zu werden, dazu zu gehören und dass jeder ein Teil der Gemeinschaft ist, jeder ist wertvoll für die Gemeinschaft, jeder kann beitragen zum Wohle der Gemeinschaft. Das Gemeinschaftsgefühl ist eine starke und stärkende Kraft und Kennzeichen des positiven Menschenbildes der Individualpsychologie. Deshalb gilt gerade jetzt: “Social support statt social distancing”. 

Therapeutische Gemeinschaft in den Heiligenfeld Kliniken

Auch in den Heiligenfeld Kliniken wird der therapeutischen Gemeinschaft die größte Bedeutung beimessen. Diese besteht aus dem therapeutischen Team und der Gruppe der Patient*innen. Sie ermöglicht ein hohes Maß an gegenseitigem Respekt, Liebe, Offenheit und Ehrlichkeit. Dynamische Zusammenhänge von Wahrnehmung, Erleben und Verhalten werden darüber – wie wir aus der Feldtheorie wissen – in ihren Wechselwirkungen deutlich und beeinflussbar. Thomas Main, der den Begriff der „therapeutischen Gemeinschaft“ entscheidend prägte, hob hervor, dass sie die Erinnerung an alte verletzende Erfahrungen und damit verbundene Gefühle fördert und so die Chance bietet, diese in einem therapeutischen Prozess zu bearbeiten – um zunehmend ein autonomes, selbstbestimmtes Leben zu gestalten. Das soziale, dort herrschende Klima ermögliche neue, positive Lebenserfahrungen. Alte Defizite können dadurch aufgefüllt werden.

Die Qualität der gelebten Gemeinschaft in den Heiligenfeld Kliniken bietet ein förderliches und dabei geschütztes Übungsfeld für soziale Haltungen und menschliche Beziehungsformen. In verschiedenen Gruppenformaten von der Kerngruppe bis hin zum Plenum oder Forum werden über den Einzelbezug hinaus gruppenübergreifende Themen behandelt; diese Verknüpfung fördert gegenseitiges Lernen und soziale Verantwortung. Daneben bilden diese Veranstaltungen einen räumlichen und zeitlichen Bezugsrahmen für Begegnung, Begrüßung und Verabschiedung und sind gleichsam konstante Elemente eines ritualisierten Ablaufes. Es entsteht somit besondere Verbundenheit, wo vorher Rückzug und Verlorenheit war, sowie äußere und innere Integration, wo Gespaltenheit herrschte. Main hob diesbezüglich den interaktionellen Aspekt hervor, dass das Krankenhaus zur Erreichung seiner Ziele eines lebendigen Austausches mit seiner Umwelt bedarf. Schließlich kreieren wir gemeinsam eine neue Welt aus uns heraus und können eventuell auch etwas unfassbar Großes entdecken. Personale Transzendenz schafft somit Bezogenheit zu „kosmischen Faktoren“.

„Wer mit den Augen eines anderen sehen, mit den Ohren eines anderen hören und mit dem Herzen eines anderen fühlen kann, der zeichnet sich durch Gemeinschaftsgefühl aus. Wer sich für die Gemeinschaft engagiert, der erlebt die Heilung vieler Wunden oft von selbst.“

Autor: Dr. Hans-Peter Selmaier

Autor: Dr. Hans-Peter Selmaier

Dr. Hans-Peter Selmaier ist Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld.

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Wir behandeln psychosomatische und somatische Krankheiten.

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In unseren Kliniken finden Sie ein "Zuhause auf Zeit".

2 Antworten

  1. Liebe Heiligenfelder,
    die Zeiten, in denen soziale Gemeinschaften politisch geschreddert werden, sind für mich nur schlecht auszuhalten, da soziale Kontakte doch die Basis des gesunden Zusammenlebens bilden. Was bin ich froh, dass ich mir vor zwei Jahren in Bad Kissingen einen Werkzeugkoffer erarbeiten konnte, dessen Größe ich erst jetzt erkenne. Und er wird täglich größer, da ich mit ihm wachse. Ich bin sehr dankbar dafür, den Weg zu mir dort gefunden zu haben. Und ich sehe alle diese Menschen, die diese Tools nicht haben und nicht wissen, wie sie mit sich selber und anderen umgehen können. Die vor Angst asozial handeln, aufgehetzt andere Menschen als Feinde ansehen, zu Alkohol greifen usw. Das bereitet mir Sorgen. Und es ist nicht immer einfach mit ihnen behutsam umzugehen. Auf der anderen Seite zeigen sich echte Freundinnen und Freunde, von denen bei mir viele aus dem Heiligenfeldumfeld kommen. Diese Menschen zu kennen, ist ein großes Geschenk. Und das Geschenk der Freundschaft und Gemeinschaft sollten wir sorgsam bewahren und mit ins neue Jahr nehmen.
    In diesem Sinne: Frohe gemeinschaftliche Weihnachten!

    1. Lieber Christian,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich sehr, dass Sie Ihre Zeit bei uns als hilfreich empfunden haben. Das ist für uns eine schöne Rückmeldung.
      Gerade in der aktuellen Situation ist es umso wichtiger, Gemeinschaft zu leben. Der Film-Titel “Angst fressen Seele auf” beschreibt gut, was wir in unserer Gesellschaft oft beobachten können und was auch Sie schildern: Aus Angst, egal vor was, verhalten sich Menschen anders als man es von ihnen erwarten würde. Aber genau dann kann es auch hilfreich sein, sich mit Verständnis zu begegnen. Manchmal nimmt das schon den Wind aus den angsterfüllten Segeln.
      Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie es schaffen, sich das Geschenk der Freundschaft und Gemeinschaft zu bewahren und wünsche Ihnen frohe Weihnachten.
      Herzliche Grüße aus Bad Kissingen
      Kathrin Schmitt

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