Ganzheitliches Therapiekonzept

In der Heiligenfeld Klinik Bad Wörishofen verwirklichen wir ein Konzept der Verbundenheit und der Ganzheitlichkeit. Der integrativen Therapie liegt ein ressourcenorientiertes Menschenbild zugrunde, das im Humanismus verankert ist und die Fähigkeit zu kreativem Wachstum und konstruktiver Veränderung betont. Wir sehen unsere Patient*innen holistisch in ihrer bio-psycho-sozialen Ganzheit und in ihrem Beziehungsfeld.

Eine ganzheitliche Therapie umfasst für uns alle Aspekte des Lebens – den Körper, die Seele, die private und berufliche Situation, genauso wie auch das Bedürfnis nach geistig-spiritueller Entfaltung. Wir legen großen Wert auf die Förderung der persönlichen Resilienz und auf die Aktivierung der eigenen Ressourcen.

Der Behandlungsplan wird individuell zusammengestellt. Neben der Gruppenpsychotherapie, die unseren Schwerpunkt bildet, finden begleitende Einzelgespräche statt. Eine breite Palette kreativtherapeutischer Angebote – unter anderem Körper-, Kunst- und Musiktherapie – helfen dabei, Gefühle zuzulassen, Ressourcen wiederzuentdecken und neue Kraft zu schöpfen. Soziotherapeutische Maßnahmen und Angehörigenarbeit ergänzen bei Bedarf den Therapieplan.

Achtsamkeitspraxis und Meditation sind außerdem zentrale Bestandteile unseres Therapiekonzepts. Entsprechende Angebote durchdringen den gesamten Klinikalltag.

Unterschiedliche psychische und psychosomatische Erkrankungen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Behandlung. Dies berücksichtigen wir in unserem multidimensionalen therapeutischen Angebot unter anderem durch die sog. Indikationsgruppen. Hier erhalten unsere Patient*innen im Sinne einer Psychoedukation spezifische Informationen zu ihrer Erkrankung, zum Umgang mit den Symptomen sowie zum Behandlungsansatz. Konkrete Übungen und der Austausch untereinander helfen dabei, die Erkrankung besser zu verstehen, wieder Mut zu schöpfen und „in Bewegung zu kommen“.

Die Indikationsgruppen bieten wir für folgenden Diagnosen und Störungsbilder an:

  • Depression
  • Angst- und Panikstörung
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Erschöpfungszustände im Sinne eines “Burnout”
  • Somatoforme Schmerzstörung
  • Essstörungen und Adipositas
  • Sinn- und Glaubenskrisen
 

Patient*innenorientierung bedeutet für uns eine “Begegnung auf Augenhöhe”. Wir richten unseren Fokus auf den betroffenen Menschen und nicht nur auf die Diagnose. Hierdurch entsteht ein heilsames Miteinander, welches selbst zur Genesung beiträgt.

Die Behandlung berücksichtigt medizinische, psychische und soziale Gegebenheiten und Erfordernisse genauso wie individuelle Bedürfnisse und Ziele. Über den gesamten Therapieverlauf hinweg ermutigen wir unsere Patient*innen zu einer Mitgestaltung des Behandlungsplans. Dies bezieht sich sowohl auf die Wahl verschiedener Therapieangebote als auch auf die Möglichkeit, den*die zuständige*n Arzt*Ärztin oder Psycholog*in prinzipiell und nach eingehender gemeinsamer Erwägung wechseln zu können. Ebenso können sich unsere Patient*innen auch an den*die Vertrauenstherapeut*in wenden.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, Hinweise, Wünsche und Anregungen, aber auch Kritik im Meinungsforum mitzuteilen. Diese Informationen nutzen wir dazu, unsere Kliniken und das Behandlungskonzept kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Wir legen großen Wert auf eine Therapie, die sich an den Zielen und individuellen Gegebenheiten unserer Patient*innen orientiert. In den therapeutischen Einzelgesprächen, in der Kerngruppentherapie sowie auch in den weiteren kreativ- und körpertherapeutischen Angeboten gehen wir gezielt darauf ein.

Am Anfang der Behandlung erstellen unsere Patient*innen zusammen mit ihrem*ihrer Bezugstherapeut*in einen individuellen Therapieplan. Dabei wird die Erkrankung genauso berücksichtigt wie die gemeinsam besprochenen Behandlungsziele. Mögliche Fragen nach dem Einsatz von Medikamenten oder deren Umstellung werden aufgegriffen und erste Angaben zur ungefähren Behandlungsdauer gemacht.

Uns ist es ein zentrales Anliegen, Entscheidungen gemeinsam mit unseren Patient*innen zu treffen. Auf diese Weise fördern wir das Selbstwirksamkeitserleben sowie auch die Motivation und Bereitschaft zur Veränderung.

“Schutzraum” Klinik

Innerhalb des “Schutzraums” Klinik können unsere Patient*innen sich selbst besser kennenlernen, sich ausprobieren und neue Erfahrungen machen. Vor allem die dreimal wöchentlich stattfindende Kerngruppentherapie spielt hier eine wichtige Rolle. Gegenseitige Unterstützung und ein Gefühl des Aufgehobenseins sind zentral, sowohl in der Therapie als auch in therapiefreien Zeiten. Es entsteht ein heilsames Miteinander, in dem sich jede*r mit seinen*ihren Stärken und Schwächen öffnen kann.

Ein Gefühl der Isolation, oft verbunden mit einem tatsächlichen Rückzug aus zwischenmenschlichen Beziehungen, ist Kennzeichen vieler psychischer und psychosomatischer Erkrankungen. Scham spielt meistens eine große Rolle; vielfach besteht darüber hinaus auch Unsicherheit auf Seiten der Angehörigen, Freund*innen oder Kolleg*innen. Vor diesem Hintergrund bildet die therapeutische Gemeinschaft in den Heiligenfeld Kliniken ein zentrales Element der Behandlung.

Durch das menschliche Miteinander fühlen sich unsere Patient*innen unterstützt und aufgehoben. Sie entwickeln mehr Wir-Gefühl. Die verschiedenen gruppentherapeutischen Angebote helfen, Erkrankungen besser zu verstehen, sich mit ähnlich Betroffenen auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Hierdurch wird Hoffnung geweckt, die Beziehungsfähigkeit verbessert und die Selbstwirksamkeit gestärkt. Der Mensch unter Menschen erhält Unterstützung, Verständnis, wird ermutigt und bestärkt.

In den Heiligenfeld Kliniken verfolgen wir in der Behandlung einen integrativen Therapieansatz. Verfahren der Richtlinienpsychotherapie (Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie) ergänzen wir durch ein breites kreativ- und körpertherapeutisches Angebot, durch Elemente der Traumatherapie, der Achtsamkeit und der Meditation. Auf diese Weise entsteht für unsere Patient*innen ein Zugang zum inneren Erleben und zu ihrer Gefühlswelt, der alleine durch Gespräche sehr viel schwerer – wenn überhaupt – zu erreichen wäre. Sie gewinnen einen besseren Zugang zu sich und zu anderen. Ebenso werden Verhaltensänderungen auf diese Weise begünstigt.

Die körper- und kreativtherapeutischen Angebote fördern die Selbstwahrnehmung und Selbsterkenntnis sowie positives Gemeinschaftserleben. “Wunde Punkte” werden genauso aufgezeigt wie bisher unbekannte Kraftquellen. Wir ermutigen unsere Patient*innen dazu, in einer vertrauensvollen und haltgebenden Atmosphäre alte Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen und neue Erfahrungen zu machen.

Zum kreativ- und körpertherapeutischen Angebot gehören unter anderem folgende Gruppen:

  • Achtsamkeitstraining
  • Lebensenergie und Aggression
  • Kunsttherapie
  • Systemische Therapie
  • Tanztherapie
  • Rhythmustherapie
  • Heilsames Singen
  • Atem- und Bewegungstherapie
  • Wassergruppe

Die Prinzipien der Meditation und Achtsamkeit gewinnen eine immer größere Bedeutung in der Psychotherapie. Längst ist unstrittig, das Achtsamkeitspraxis einen positiven Einfluss auf die Bewältigung von Krankheiten hat. In den Heiligenfeld Kliniken ergänzen wir schon immer die “klassische” psychotherapeutische Arbeit durch Elemente der Besinnung, Entspannung und Meditation. Patient*innen, die sich für unsere Kliniken entscheiden, bieten wir einen Raum, in dem sie sich ganz selbstverständlich mit existenziellen Fragen und Anliegen zeigen und auseinandersetzen können. 

Die Möglichkeiten der Meditation unterstützen den therapeutischen Prozess und helfen dabei, mehr zu sich zu finden. Dadurch wird eine Tiefe erreicht, in der bestehende Probleme grundlegender und nachhaltiger bearbeitet und gelöst werden können.

Zu den Angeboten der Achtsamkeit und Meditation gehören unter anderem:

  • Die kreativtherapeutische Gruppe “Achtsamkeitstraining”
  • Eine regelmäßige Einführung in die stille Meditation und mehrmals wöchentlich gemeinsames Meditieren am Morgen
  • Geführte Meditationen im täglichen Wechsel zum Kennenlernen und Ausprobieren verschiedener Meditationstechniken
  • Ein jederzeit zugänglicher “Raum der Stille” für Meditation, Besinnung und Gebet
  • Viermal im Jahr ein “Tag der Stille”
  • Tägliche Zeit der Stille zur Selbstreflexion, zum Tagebuch schreiben oder zur Übung therapeutischer Aufgaben, teilweise auch Mittagessen in Stille
  • Geleitete Entspannungsgruppen (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga, Qigong)
 

Psychische und psychosomatische Erkrankungen gehen oft mit einem Gefühl der Hilflosigkeit einher. Betroffene fühlen sich der Erkrankung ausgeliefert und erleben teils massive Einschränkungen in der Bewältigung ihres Alltags. Sie schaffen es immer weniger, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die Lebensqualität leidet enorm.

Die Therapie in den Heiligenfeld Kliniken zielt darauf ab, aus dieser Abwärtsspirale auszusteigen. Behandlungsangebote wie “Lebensführung” und “Selbststeuerung” helfen, Kontrolle zurückzuerlangen, den bisherigen Weg zu hinterfragen und sich neu zu orientieren: Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was ist mir wichtig?

Selbststeuerung meint die Fähigkeit, sich selbst regulieren und steuern zu können, vor allem im Umgang mit den eigenen Emotionen. Diese sollen nicht verdrängt, sondern erlebt werden, ohne dass sie uns überrollen und “kopflos” machen. Konkrete Übungen helfen dabei, sich selbst im Gleichgewicht zu halten – auch im Kontakt mit anderen.

Lebensführung heißt für uns: Das eigene Leben gestalten zu können, Ziele und Wünsche zu verfolgen und auf diese Weise zu mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden zu gelangen. In der therapeutischen Arbeit unterstützen wir unsere Patient*innen darin, sich ihrer Handlungsmöglichkeiten stärker bewusst zu werden und wieder in Kontakt zu kommen, mit sich selbst und anderen.

Die Frage, wie es beruflich weitergeht, spielt für viele Patient*innen eine entscheidende Rolle. Deshalb ergänzen wir die psychotherapeutische Behandlung bei Bedarf durch eine sozialpädagogische Beratung und Unterstützung. Diese umfasst Fragen zum Wiedereinstieg in den Beruf, zur eventuellen beruflichen Umorientierung, zur Kontaktaufnahme mit Vorgesetzten oder Ämtern etc. Im Rahmen einer Rehabilitationsbehandlung können auch Leistungen zur Teilhabe bei bedrohter Erwerbsfähigkeit angeregt werden.

Weitere Themenfelder der Sozialberatung sind:

  • Beratung bezüglich finanzieller und sozialer / sozialrechtlicher Fragen
  • Berufliche Maßnahmen in Kooperation mit dem Arbeitsamt, Berufsförderungswerk etc.
  • Vermittlung und Hilfe bei der Antragsstellung von sozialen Maßnahmen, wie z. B. betreutes Wohnen, Übergangseinrichtung, sozialpsychiatrische Dienste u. Ä.
  • Anregung von Soziotherapie 

Eine psychische Erkrankung führt häufig zu Unsicherheit bei Partner*innen, Familienangehörigen oder Freund*innen. Und manchmal steht eine psychische Belastung auch im Zusammenhang mit familiären oder kollegialen Konflikten. In der Therapie wird dann deutlich, dass eine spürbare Linderung der Beschwerden nur durch gemeinsame Gespräche erreicht werden kann. 

Im Rahmen der Angehörigenarbeit bieten wir unseren Patient*innen verschiedene Möglichkeiten, Familienmitglieder*innen, Partner*innen, Freund*innen oder Kolleg*innen und Vorgesetzte in die Therapie mit einzubeziehen.

Verschiedene Angebote zur Nachsorge dienen der Sicherung des Behandlungserfolgs im Anschluss an den Klinikaufenthalt. Neben der Vorbereitung der Rückkehr nach Hause in den letzten beiden Therapiewochen gibt es eine Vielzahl von Kontaktmöglichkeiten für “die Zeit danach”.

Möglichkeiten der Nachsorgebehandlung:

  • Telefonisches oder persönliches Nachsorgegespräch mit dem*der Bezugstherapeut*in
  • Sozialpädagogische Beratung zur Nachsorge über Telefon oder E-Mail sowie der sog. “Nachsorge-Chat” im “Ehemaligen-Bereich” unserer Homepage
  • Individuelle Unterstützungsangebote durch das Pflegepersonal
  • Therapeut*innengeleitete Nachsorgegruppen in den meisten Bundesländern
  • Deutschlandweite Selbsthilfegruppen mit anderen ehemaligen Patient*innen
  • Selbsthilfe-Seminar “Gemeinsam Wachsen”
  • Jährliches Vernetzungsseminar für Heiligenfelder Selbsthilfegruppen
  • Nachsorgetreffen für ehemalige Patient*innen der “Essstrukturgruppe”
  • Die Teilnahme am Sommerfest der jeweiligen Klinik
  • Seminarangebote der Akademie Heiligenfeld

Durch das Konzept der “7-Tage-Therapie” ermöglichen wir es unseren Patient*innen, einen kontinuierlichen therapeutischen Prozess zu erleben. Dabei meint “7-Tage-Therapie” keine Form der Kurzzeittherapie, die lediglich 7 Tage dauert, sondern einen wohlüberlegten und umfassenden Behandlungsplan, der alle Wochentage (also Montag bis Sonntag) umfasst.

Neben dem umfangreichen kreativtherapeutischen Angebot von Montag bis Freitag werden am Wochenende vor allem diejenigen Themen gezielt behandelt, denen wir eine besondere Bedeutung im Genesungsprozess beimessen: Selbststeuerung, die Gestaltung von Beziehungen sowie die Förderung von Kreativität und Lebensfreude. Unter anderem haben wir uns dabei von den folgenden Fragen leiten lassen: Wie gelingt es, trotz der alltäglichen Anforderungen und Stressbelastungen in seiner Mitte zu bleiben? Wie gestaltet man erfüllende Beziehungen? Und wie schafft man es, aus gewohnten Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmustern auszusteigen, um Probleme anders betrachten und lösen zu können und dadurch auch neue Perspektiven und Handlungsmuster zu entwickeln?

Darüber hinaus kann durch das Konzept der “7-Tage-Therapie” auch einer möglichen Krisensituation im Behandlungsprozess wirksamer begegnet werden. Durch die vorgegebene, gleichsam haltgebende wie begrenzende Struktur an den Vormittagen erfahren unsere Patient*innen auch am Samstag und Sonntag eine Stabilität, die gerade in schwierigen Phasen der Therapie eine wertvolle Unterstützung darstellt und Vertrauen und Zuversicht stärkt.

Wir wissen, dass sich eine langfristige und spürbare Besserung des Wohlbefindens und damit letztlich eine Steigerung der Lebensqualität nur durch Verhaltensänderung erreichen lässt, die wiederum einzuüben ist. Durch die “7-Tage-Therapie” können wir diesen Prozess nun noch wirksamer fördern. Dabei plant jede*r Patient*in seine*ihre Behandlung zusammen mit dem*der Bezugstherapeut*in ganz individuell, um therapeutische Elemente während des gesamten Wochenablaufs genauso zu berücksichtigen wie Phasen der Regeneration und des “Nichtstuns”.

Hier geht es zum Interview mit Frank Rihm, Kreativtherapeutischer Leiter der Heiligenfeld Kliniken zum Thema 7-Tage-Therapie