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AD(H)S bei Erwachsenen

Die Aufmerksamkeitsdefizit(-Hyperaktivitäts)-Störung AD(H)S ist gekennzeichnet durch beeinträchtigte Aufmerksamkeit, eine Neigung zur Impulsivität sowie durch motorische Hyperaktivität. Nach dem Beginn der Störung in der Kindheit bleiben die Symptome bei etwa 10 % der Betroffenen bis ins Erwachsenenalter bestehen. Diese leiden häufig stark unter den Folgen, bezogen sowohl auf die unmittelbaren Schwierigkeiten als auch infolge der sich ergebenden psychosozialen Konsequenzen.

Unterschieden wird zwischen einer vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Ausprägung (ADHS) und einer solchen, die weniger durch Hyperaktivität als vielmehr durch Störungen der Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist (ADS).

Aufgrund des frühen Beginns leiden bereits die Kinder unter den Folgen, werden öfter gerügt, fallen „unangenehm“ auf, erleben Ausgrenzung durch ihre Mitschüler*innen usw. All dies kann zu einem deutlichen Gefühl der Unzulänglichkeit führen, mit langanhaltenden Auswirkungen auf das Selbstwerterleben.

Im (frühen) Erwachsenenalter haben Betroffene häufig Schwierigkeiten im Berufsleben, genauso wie auch in partnerschaftlichen Beziehungen. Mitunter kommen sie aufgrund ihrer Impulsivität auch häufiger mit dem Gesetz in Konflikt.

In der Heiligenfeld Klinik Berlin behandeln wir seit der Eröffnung im September 2017 Patient*innen mit AD(H)S. Im Verlauf der Jahre haben wir unser Behandlungsangebot ständig spezifiziert. Aufgrund einer zunehmenden Anzahl von Anfragen von Seiten von Betroffenen haben wir uns entschlossen, das Angebot dahingehend zu erweitern, dass wir künftig ein spezifisches und eigenständiges Behandlungsangebot für Patient*innen mit AD(H)S vorhalten.

Symptomatik

Da die Kriterien der Internationalen Klassifikation psychischer Erkrankungen (ICD-10, Kapitel F) zur Diagnose der AD(H)S im Kindesalter konzipiert wurden, ist deren Anwendung im Erwachsenenalter häufig problematisch. Stattdessen kann für diesen Zweck auf die Wender Utah Rating Scale zurückgegriffen werden.

Wender-Utah-Kriterien der ADHS im Erwachsenenalter

Aufmerksamkeitsstörung

  • Unvermögen, Gesprächen aufmerksam zu folgen
  • Erhöhte Ablenkbarkeit
  • Vergesslichkeit

Motorische Hyperaktivität

  • Innere Unruhe
  • Unfähigkeit, sich zu entspannen
  • Unfähigkeit, sitzende Tätigkeiten auszuführen
  • Dysphorie bei Inaktivität

Desorganisiertes Verhalten

  • Unzureichende Planung und Organisation von Aktivitäten
  • Aufgaben werden nicht zu Ende gebracht

Affektkontrolle

  • Andauernde Reizbarkeit, auch aus geringem Anlass
  • Verminderte Frustrationstoleranz und kurze Wutausbrüche

Impulsivität

  • Unterbrechen anderer im Gespräch
  • Ungeduld
  • Impulsiv ablaufende Einkäufe
  • Unvermögen, Handlungen im Verlauf zu protrahieren

Emotionale Überreagibilität

  • Unfähigkeit, adäquat mit alltäglichen Stressoren umzugehen, Reizüberflutung, Black-Outs

Affektlabilität

  • Wechsel zwischen neutraler und niedergeschlagener Stimmung
  • Dauer von einigen Stunden bis maximal einigen Tagen

Für die Diagnostik und Therapie der adulten AD(H)S ist von spezieller Bedeutung, dass sie nur selten als isolierte Störung auftritt. Mehr als zwei Drittel der erwachsenen Patient*innen haben weitere psychische Leiden; die häufigsten sind Drogenmissbrauch und Alkoholismus (bis 80 %), emotional instabile Persönlichkeitsstörungen (20 %), daneben Angststörungen (ca. 30 %) und affektive Erkrankungen (bis 40 %).

Unser Behandlungsangebot

Für die stationäre bzw. teilstationäre Behandlung von Patient*innen mit AD(H)S ergibt sich eine adaptierte und konzentrierte Auswahl aus unserem integrativen Behandlungskonzept. Es werden in der Arbeitsweise der Heiligenfeld Klinik Berlin evidenzbasierte psychotherapeutische Vorgehensweisen auf einer tiefenpsychologischen Grundlage mit verhaltenstherapeutischen Elementen in Diagnose und Behandlung eingesetzt:

  • medizinische und psychiatrische Behandlung
  • Einzel- und Gruppentherapie als tiefenpsychologische bzw.  verhaltenstherapeutische Psychotherapie
  • Psychoedukation zu AD(H)S
  • Gruppenangebote zur Selbststeuerung und -regulation
  • aufdeckende und strukturfördernde tiefenpsychologische Psychotherapie unter Einbeziehung verhaltenstherapeutischer übungsbezogener Elemente und prozessualer und ressourcenaktivierender erlebnisbezogener Vorgehensweisen
  • spezifische psychotherapeutische Techniken in Gruppenbehandlung: Bewegungstherapie, Körper-Psychotherapie, Kunsttherapie und Tanztherapie
  • Techniken der Entspannung, Meditation und geistigen Auseinandersetzung
  • ressourcenaktivierende Intensivierungsangebote mit kreativen und achtsamkeitsbasierten Elementen
  • Physiotherapie, insbesondere Krankengymnastik, Massagen
  • Sport- und Fitnessangebote
  • Milieutherapie und therapeutische Gemeinschaft
  • Sozialberatung
  • medikamentöse Behandlung, insbesondere psychiatrische Pharmakotherapie       

Die Verbindung der verschiedenen Therapieelemente erfolgt nach einem integrativen Modell stationärer bzw. teilstationärer Therapie auf tiefenpsychologischer Grundlage.

Ziele der Therapie

Zielsetzungen der (teil-)stationären psychotherapeutischen Behandlung sind u. a.:

  • Förderung des Verständnisses und der subjektiven Verarbeitung des Krankheitsgeschehens, Verbesserung des krankheitsbezogenen Wissens
  • die Stärkung der aktiven Krankheitsbewältigung
  • Reduzierung von Unsicherheit und Angst
  • Verbesserung des Umgangs mit Krisensituationen, Verbesserung des Umgangs mit den Symptomen
  • Förderung eines positiven Selbstkonzeptes
  • Unterstützung von Selbstverantwortung und Autonomie im Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit
  • Verbesserung der (medikamentösen) Compliance, Erhöhung der Mitverantwortung
  • Mitbestimmung bei der Medikation
  • Förderung einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Professionellen, Betroffenen und ihren Angehörigen
  • Antizipation und Vermeidung von Über- bzw. Unterforderung
  • Verbesserung der Rückfallprophylaxe, Verminderung der Anzahl bzw. Schwere von Krankheitsmanifestationen
  • Reduktion der Hospitalisierungsrate und -dauer
  • Verbesserung des familiären Interaktionsstils und Förderung des Gesundheitsverhaltens

Folgende Heiligenfeld Kliniken behandeln AD(H)S bei Erwachsenen

  • Heiligenfeld Klinik Berlin

    Privatklinik und Tagesklinik für psychische und psychosomatische Erkrankungen

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