Long-COVID und die langfristigen Folgen der Corona-Pandemie

Über 3,5 Millionen: So viele Menschen gelten laut Robert Koch-Institut mittlerweile in Deutschland offiziell als von COVID-19 genesen. Über 3,5 Millionen – und die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher sein, angesichts asymptomatischer oder nur leichter Krankheitsverläufe, die nicht entdeckt oder missdeutet wurden. Doch genesen bedeutet nicht automatisch, frei von Beschwerden zu sein.

„Post-COVID-Syndrom“ oder „Long-COVID“ sind die Bezeichnungen, unter denen die Nachwirkungen und Spätfolgen einer Infektion mit dem Corona-Virus zusammengefasst werden. Anhaltende Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Brust- und Bauchschmerzen oder Verwirrtheit sind dabei nur einige der Symptome, die im Anschluss an die akute Krankheitsphase berichtet werden. Eine schlechte Abgrenzbarkeit besteht zu ähnlichen Krankheitsbildern, etwa in der Folge von Pfeifferschem Drüsenfieber oder Borreliose, mit vergleichbaren Zustandsbildern und psychischen Verarbeitungsproblemen. Klare Angaben zur Häufigkeit der SARS-CoV-2-Spätfolgen fehlen zwar bisher und sind aufgrund der Heterogenität und Komplexität auch schwer zu erfassen, jedoch scheint nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jede*r zehnte Corona-Erkrankte noch Monate nach der primären Krankheitsphase an Beschwerden und Einschränkungen zu leiden.

Und dies offenbar auch unabhängig davon, ob jemand aufgrund der SARS-CoV-2-Infektion stationär behandelt werden musste oder nicht. Hinzu kommt das große Risiko, neben den bleibenden körperlichen Beschwerden auch psychische Folgestörungen zu entwickeln, wobei nicht nur eine tatsächlich durchgestandene Infektion hierfür ausschlaggebend ist. Allein der Umstand des mittlerweile mehr als ein Jahr andauernden Krisenmodus mit allen bekannten Auswirkungen – Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Infektionsangst, Sorge um Angehörige oder gar deren Verlust sowie die fehlende Perspektive auf ein Ende des Ausnahmezustands bewirken bei vielen eine Daueranspannung und psychische Labilisierung. Dies wiederum mündet im individuellen und auch im gesellschaftlichen Burnout. Es entstehen konkret Belastungs- und Anpassungsstörungen, Depressionen, diverse Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen und somatoforme Störungen – in Form von Neuerkrankungen oder als Verschlimmerung bzw. Reaktivierung bereits bestehender Störungsbilder. Immer mehr Long-COVID-Ambulanzen versuchen Betroffenen eine erste Anlaufstelle zu bieten, jedoch stoßen diese aufgrund der vielfältigen und häufig auch unspezifischen Nachwirkungen an diagnostische und therapeutische Grenzen. Es braucht ein integratives Diagnose- und Therapieangebot, welches sowohl die körperlichen als auch die psychosozialen Belastungen und Symptome erfasst und geeignete Behandlungsansätze zur Verfügung stellt.

In der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen und in der Heiligenfeld Klinik Berlin behandeln wir die beschriebenen Langzeitfolgen, mit der Zielsetzung einer umfassenden psychophysischen Restabilisierung – sowohl im Hinblick auf eine zurückliegende Infektion mit SARS-CoV-2 als auch bezogen auf die psychosozialen Belastungen im Angesicht der Pandemie. Während sich das Behandlungsangebot der Parkklinik Heiligenfeld an Privatversicherte, Beihilfeberechtigte und Selbstzahler*innen richtet, erfolgt die Long-COVID-Therapie in der Heiligenfeld Klinik Berlin (auch) im Rahmen des berufsgenossenschaftlichen Heilverfahrens. Entsprechend ist hier der Erhalt der Erwerbsfähigkeit bzw. die Rückkehr ins Berufsleben – neben den oben genannten Punkten – ein wesentliches Behandlungsziel.

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