Somatoforme Störungen und chronische Schmerzstörungen

"Geh Du vor", sagte die Seele zum Körper, "auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf Dich." "Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben", sagte der Körper zur Seele.

Ulrich Schaffer (*1942), Fotograf und Schriftsteller

Rückenschmerzen, Magenschmerzen, Kopfschmerzen: Fast jeder Mensch kennt solche Schmerzen ohne direkte, klare Ursache. Bestehen solche Probleme über längere Zeit und können medizinische Untersuchungen keine körperliche Ursache feststellen, könnte eine somatoforme Störung dahinterstecken.

Bei den somatoformen Störungen prägen körperliche Beschwerden, vor allem Schmerzen, Störungen des Verdauungs-, Herz-Kreislauf- oder Urogenitalsystems, die entweder ganz konkret oder eher diffus sein können, die Befindlichkeit der Patient*innen. Betroffene gehen zunächst natürlich von einer körperlichen Ursache der Beschwerden aus. Diese wird jedoch trotz intensiver Diagnostik nicht gefunden. Die Beschwerden bleiben, was zu einer großen Verunsicherung und psychischen Belastung bei den Betroffenen führt. Der Leidensdruck wird immer größer.

Körper und Geist sind untrennbar miteinander verbunden. Weil sie so viel greifbarer sind und von den Betroffenen häufig eher wahrgenommen oder berichtet werden, finden körperliche Symptome bei Ärzt*innen oft deutlich mehr Beachtung in der Behandlung. Dahinterstehende psychische Beschwerden wie beispielsweise unverarbeitete Trauer, verdrängte Ängste oder abgespaltene Wutgefühle spielen meistens in der Diagnostik erst eine Rolle, wenn keine körperliche Ursache gefunden wird. 

Die Symptome der somatoformen Störungen sind vielfältig und treten in den verschiedensten Organsystemen auf.

Häufig zu beobachten sind:

  • Rückenschmerzen, Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich oder in den Extremitäten
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, Druck- oder Völlegefühl, Kribbeln etc.
  • Brustschmerzen, Druckgefühl auf der Brust, Atemlosigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Erröten

 

Die Symptome einer somatoformen Störung bestehen entweder anhaltend oder treten phasenweise auf. In allen Fällen ist das Wohlbefinden der Betroffenen extrem beeinträchtigt, Angstgefühle sowie häufig verminderte Leistungsfähigkeit sind die Folge. Es besteht mitunter ein massiver Leidensdruck, der auch noch dadurch verstärkt werden kann, dass auf der körperlichen Ebene keine angemessene Erklärung für das Ausmaß und die Intensität der Beschwerden gefunden wird. Dieser Umstand erschwert oftmals den Kontakt zum*zur Behandler*in: Patient*innen fühlen sich missverstanden oder nicht ernst genommen, während bei Ärzt*innen mitunter der Eindruck von “schwer behandelbaren” oder “simulierenden” Patient*innen entsteht.

Im weiteren Krankheitsverlauf kann es zu einer zunehmenden Fokussierung auf die Beschwerden und zu einer Einengung der Gedankenwelt und der Verhaltens der Betroffenen kommen. Der Körper wird genau “beobachtet”, Reaktionen und Empfindungen rasch als bedrohlich bewertet und oft selbst Versuche unternommen, mögliche Ursachen der Beschwerden zu ergründen, etwa durch intensive Recherche im Internet. Sonstige Aktivitäten, Sport und soziale Beziehungen treten in vielen Fällen mehr und mehr in den Hintergrund – das Leben der Betroffenen grenzt sich durch Rückzug und körperliche Schonung zunehmend ein. Diese Schonhaltung führt meistens nicht zur Besserung der Symptomatik, sondern verschlechtert das Wohlbefinden oft zusätzlich, da der Ausgleich zu den negativen und angsterfüllten Gedanken fehlt.

In der Internationalen Klassifikation psychischer Erkrankungen (ICD-10) werden folgende Formen somatoformer Störungen unterschieden:

  • Anhaltende somatoforme Schmerzstörung: Hier stehen Schmerzen (oftmals) starker Intensität im Vordergrund. Eine körperliche Ursache, welche die Intensität und Dauer der Beschwerden allein ausreichend erklären könnte, liegt nicht vor.

 

  • Somatisierungsstörung: Über einen längeren Zeitraum – wenigstens 2 Jahre – treten immer wieder körperliche Beschwerden auf, wechselnd in der Intensität und häufig verschiedene Organsysteme und Körperteile betreffend. In der Regel haben die Betroffenen bereits eine Vielzahl an körperlichen Untersuchungen hinter sich, ohne das jemals ein richtungsweisender, pathologischer Befund gestellt werden konnte.

 

  • Somatoforme autonome Funktionsstörung: Hier stehen Symptome und Beschwerden im Vordergrund, die sich vor allem auf das Herz-Kreislauf-System, den Magen-Darm-Trakt, das respiratorische oder das urogentiale System beziehen. Betroffene berichten von Brustschmerzen, vermehrtem Schwitzen, Hitzewallungen, Druckgefühl im Bauch, vermehrtem Urinieren oder Stuhlgang usw.

 

  • Hypochondrische Störung: Betroffene sind der Überzeugung, an einer schweren körperlichen Erkrankung zu leiden, bspw. an einer Krebserkrankung, an AIDS etc. Körperliche Empfindungen werden ängstlich in diese vermeintliche Erkrankung hineingedeutet und als Bestätigung aufgefasst. Medizinische Untersuchungen, die belegen, dass die befürchtete Erkrankung nicht besteht, werden nicht oder nur kurzzeitig als beruhigend erlebt, bevor die ängstliche Überzeugung erneut dominiert.

Für die somatoformen Störungen wird von einem komplexen Entstehungsmodell ausgegangen, in dem verschiedene Faktoren Berücksichtigung finden: die genetische Veranlagung ebenso wie biografische Belastungen, die Persönlichkeit der Betroffenen, Vorerkrankungen oder auch soziokulturelle Aspekte.

Darüber hinaus werden durch die verschiedenen psychotherapeutischen Schulen unterschiedliche Modelle postuliert. So geht etwa die analytisch-tiefenpsychologische Richtung vereinfacht gesagt von einer “Übersetzung” seelischer Konflikte in eine “Körpersprache” aus. Letztlich handelt es sich um ein Zusammenspiel sowohl ursächlicher als auch aufrechterhaltender Einflussfaktoren (bspw. der sog. “Krankheitsgewinn” als eine Möglichkeit, angstmachenden Entscheidungen oder zwischenmenschlichen Konflikten durch den Verweis auf die körperlichen Symptome entgehen zu können).

Die Therapie somatoformer Störungen in den Heiligenfeld Kliniken basiert auf einem integrativen Ansatz, mit einem psychodynamisch-beziehungsorientierten Schwerpunkt. Wir verstehen in unserer Klinik somatoforme Störungen als Ausdruck einer innerpsychischen Spannung, als Lösungsversuch für einen zugrundeliegenden inneren Konflikt, der häufig im zwischenmenschlichen Bereich angesiedelt ist. Durch unser vielgestaltiges, multimodales Therapieangebot unterstützen wir unsere Patient*innen in der schrittweisen Bewusstwerdung des bestehenden Konflikts und erarbeiten funktionalere Lösungsansätze. Dabei werden biografische (Belastungs-)Erfahrungen genauso mitberücksichtigt wie aktuelle Schwierigkeiten, aber auch Ressourcen und Kompetenzen der Patient*innen. Ziel ist es, die bestehende Symptomatik zu lindern und/oder die Lebensqualität spürbar zu verbessern.

Nachfolgend finden Sie den Prospekt zur Behandlung von somatoformen Störungen in den Heiligenfeld Kliniken.

Flyer Somatoforme Störungen

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