Lebensenergie wiederfinden

Körperdynamik: So heißt eine Therapiegruppe in der Heiligenfeld Klinik Uffenheim. Elisabeth Strick, Kreativtherapeutin in den Heiligenfeld Kliniken, erklärt im Interview, worum es in dieser Gruppe geht und welche Erfahrungen die Patient*innen hier machen können.

 

Was kann man sich unter der Gruppe „Körperdynamik“ vorstellen?

Wir Menschen lernen früh, welche Gefühle erwünscht sind und welche nicht. Diese Verhaltensmuster tragen wir durch unser Leben. Ein meist unerwünschtes Gefühl, das unmittelbar mit unserer Lebendigkeit und Lebensenergie verbunden ist, ist Aggression. Aggression bedeutet neben „Angriff“ auch „auf etwas zugehen“, „etwas in Angriff nehmen“. Wird durch frühe Erfahrungen, z. B. durch Liebesentzug, der Ausdruck dieses Gefühls unterdrückt, entstehen Energieblockaden im Körper. In der Gruppe Körperdynamik unterstützen wir die Patient*innen darin, blockierte Lebensenergie wieder freizusetzen und dynamisch ins Fließen zu bringen. Das heißt auch, wieder zu lernen, sich für sich einzusetzen und sich abzugrenzen. Damit die Energie fließen kann, ist es wichtig, den Boden unter den Füßen zu spüren und im Körper präsent zu sein.

 

Für wen ist die Therapiegruppe geeignet?

Hauptsächlich kommen Patient*innen in diese Gruppe, die aggressionsgehemmt sind und sich nur schwer abgrenzen können. Menschen, die in ihrem Leben selten „nein“ sagen oder die nach außen lächeln, obwohl sie innerlich weinen oder erstarrt sind. Menschen, die die Erfahrung verinnerlicht haben, dass sie abgelehnt werden, wenn sie sich zeigen mit dem, was sie wirklich wollen. Das können z. B. Patient*innen mit einer Depression, einer Angststörung oder auch traumatisierte Menschen sein, die ihre Aggressionen abgespalten haben, um zu funktionieren.

 

Wie kann man sich eine Therapieeinheit vorstellen?

Wir beginnen mit einer Befindlichkeitsrunde, in der jede*r Teilnehmer*in sagen kann, wie er*sie sich fühlt. Im Anschluss sind die Patient*innen eingeladen, ihren Körper, den Boden, den eigenen Raum und die eigene Grenze wirklich körperlich zu spüren und mit einem Gegenüber vielleicht zum ersten Mal zu erfahren, dass das bestätigt und respektiert wird. Diese Form des „Nachnährens“ wird oft als sehr berührend erfahren. Danach geben wir Informationen über den Hintergrund und Sinn der nun folgenden Übung, z. B. Abgrenzungsübung. Wenn wir den Sinn erläutern, sinkt oft die Abwehrhaltung von alleine, auftauchende Fragen, Ängste etc. können angesprochen werden und der Mut, etwas Neues auszuprobieren, wird gestärkt. Beim Thema Abgrenzung könnte eine Übung sein, dass man seinen eigenen Raum mit einem Seil auf dem Boden deutlich macht. Man selbst steht im eigenen Raum und die Übung ist, unterschiedliche Verhaltensmuster zu erproben, wenn sich ein*e Mitpatient*in dem eigenen Raum nähert und die Grenze (Seil) überschreiten will.

 

Variante 1: Ich sehe den*die Mitpatient*in kommen und erstarre handlungsunfähig in meinem Raum. Der*die Mitpatient*in kann ungehindert die Grenze überschreiten.

Variante 2: Ich sehe den*die Mitpatient*in kommen und stürme ihm*ihr kampfbereit entgegen und rufe: STOPP.

Variante 3: Ich stehe verbunden mit meinem Körper, dem Atem und dem Boden ganz präsent in meinem Raum, schaue dem*der Mitpatient*in in die Augen und sage sehr bestimmt und klar: Stopp!

 

Jede Variation kann von beiden Patient*innen mehrfach erprobt werden. Im Anschluss reflektieren die Patient*innen miteinander: Was ist mein gewohntes Verhalten? Was ist neu? Was möchte ich üben? Wir teilen das Erlebte in der Großgruppe, sodass die Erfahrungen integriert und Fragen geklärt werden können. Zudem kann das Erlebte auch in die Kerngruppe eingebracht und dort weiterbearbeitet werden.

 

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Elisabeth Strick

Elisabeth Strick

Elisabeth Strick ist Instrumentalpädagogin mit Schwerpunkt "Stimme", Musiktherapeutin, Chorleiterin, Therapeutin für Körper- und Rhythmustherapie und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie ist seit 2009 in den Heiligenfeld Kliniken tätig und leitet unter anderem die Gruppe "Rhythmus und Stimme" in der Heiligenfeld Klinik Uffenheim.

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