Wut und Aggressionen von Kindern verstehen

Nils Wilfahrt
Nils Wilfahrth, Kreativtherapeut in der Heiligenfeld Klinik Waldmünchen

Kinder sind in den ersten Lebensjahren immer wieder Situationen ausgesetzt, in denen sie lernen, wie die Welt funktioniert und dass es vieles gibt, das sie nicht kontrollieren können. Oder ihnen gelingt vieles noch nicht so, wie sie es gerne hätten. Dieser Umstand führt dann oft zur Frustration des Kindes, was verschiedene Gefühle wie Wut oder Trauer auslösen kann.

Wenn Kinder von ihrer Bezugsperson in frustrierenden Momenten empathisch begleitet und angeleitet werden, kann es ihnen gut gelingen, einen gewaltfreien Ausdruck für ihre Frustration zu finden. Dies kann ein Ausdruck von Wut sein, der sich nicht gegen andere oder sich selbst richtet oder das Kind drückt das Gefühl der Trauer aus und wird von der Bezugsperson so aufgefangen, dass die Frustration abflacht und sich das Kind wieder entspannt. Gelingt diese Art von Beziehung zwischen Eltern und Kind nicht, dann leben Kinder oft die Frustration in Form von aggressivem Verhalten aus, welches sehr offensichtlich, aber auch ganz subtil ausgedrückt werden kann.

Um Familien diesbezüglich zu unterstützen, wird in der Heiligenfeld Klinik Waldmünchen der Arbeit an der Bindung zwischen den Eltern und den Kindern ein sehr hoher Stellenwert beigemessen.

Lernen, Gefühle auszudrücken

 

Kinder können etwa ab dem Grundschulalter lernen, mehrere Gefühle in einer Situation auszudrücken. Sie gleichzeitig auch wahrnehmen zu können, ist die Voraussetzung dafür, eine Wahlmöglichkeit zu entwickeln und Steuerung zu erlangen. Lernen Kinder dies nicht oder sind noch im Vorschulalter, dann sind sie oft in einem Gefühl „gefangen“ und nehmen erst nach einer Weile ein anderes Gefühl war. Dies erleben wir immer wieder im Klinikalltag. Beispielsweise gibt es einen Konflikt zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. Der Sohn zeigt aggressives Verhalten indem er seine Mutter beschimpft und auch körperlich gewalttätig wird. Wenn dann die Mutter ihren Sohn eingrenzt, läuft dieser ein paar Meter weg und bleibt dort in beobachtender Position stehen und beruhigt sich langsam wieder. Dann wechselt das Gefühl des Kindes und es kommen Schuldgefühle zum Vorschein. Nun zeigt er sich betroffen und will seine Mutter trösten. Dies ist ein Beispiel dafür, dass das Kind noch nicht gelernt hat, mehrere Gefühle in einer Situation wahrzunehmen und sich in einer schwierigen Situation nur schwer steuern kann.

Wenn Kinder gewohnt sind, dass es harte Konsequenzen oder Strafen gibt, entwickeln sie Angst vor dieser Reaktion und finden schwer einen gesunden Zugang zu dem Gefühl der Wut. Diese wird dann oft als Aggression ausgelebt und zwar dort, wo sich das Kind sicher fühlt. Ist z. B. der Vater sehr streng und das Kind traut sich nicht, Wut in seiner Gegenwart auszuleben, dann zeigt es dieses Verhalten möglicherweise bei seiner Mutter oder Geschwistern. Ist auch dies zu gefährlich, dann bei dem Haustier oder an anderer Stelle, an der keine oder geringere Bestrafung zu erwarten ist. Oft richten die Kinder auch die Aggression gegen sich selbst. Durch Strafen und harte Konsequenzen werden Kinder mit Aggressionsproblem noch mehr frustriert, was mehr Aggression zur Folge hat. Kinder können sich in diesen Gefühlsausbrüchen schwer regulieren. Die Aufgabe der Eltern ist es, sie dabei zu begleiten, auch wenn man selbst in solchen Situationen an seine Grenzen gerät. Denn oft hilft es nichts, den Kindern zu drohen oder Strafen anzukündigen. Sie werden ihr Verhalten irgendwann vielleicht ändern, machen das aber eher aus Angst als aus Verständnis. Sie durch die Gefühle zu begleiten, diese nicht zu bewerten kann ein erster Schritt zu einer Verhaltensänderung sein.

Kinder empathisch begleiten

 

Wir unterstützen Eltern darin, ihren Kindern ein sicheres Gegenüber zu sein, das Empathie zeigen und angemessene Grenzen setzen kann. Dafür haben wir in der Klinik spezielle Konzepte entwickelt, wie beispielsweise die Bindungstherapie, aber auch Therapieangebote, bei denen der Fokus darauf gerichtet ist, die Bindung zu sich selbst, also zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen und die Bindung zu seinen Kindern bzw. Eltern zu stärken.

Autor: Nils Wilfahrth, Kreativtherapeut der Heiligenfeld Klinik Waldmünchen

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