Wie gehe ich mit Kindern und ihren Fragen und Ängsten zum Thema Krieg um?

Immer wieder erreichen uns Fragen von besorgten Eltern, Großeltern, Erzieher*innen, Lehrer*innen und Angehörigen von Kindern, die der aktuelle Krieg in der Ukraine vor große Herausforderungen stellt. Nicht nur der Umgang mit den eigenen Gefühlen sorgt für Schwierigkeiten, sondern besonders der Umgang mit den Gefühlen der Kinder. Wann bespricht man bestimmte Themen mit ihnen? Soll ich es überhaupt thematisieren? Und was mache ich, wenn mein Kind Fragen stellt? Alle diese Fragen sorgen die letzten Wochen für viele Gedanken in den Köpfen von Erwachsenen. Im Rahmen unserer “Mini-Serie” zum Umgang mit Kriegsangst und Krisen hat uns der Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld auch die Frage zum Umgang mit Kindern beantwortet. 

Wie gehen wir in der aktuellen Situation am besten mit unseren Kindern um?

Am wichtigsten ist es, sie wahrzunehmen und ernst zu nehmen unter Beachtung von Gleichwertigkeit. Man sollte ihnen vermitteln, dass man jederzeit für sie und ihre Ängste und Sorgen da ist. Es geht um achtsames und aufmerksames Zuhören, wenn Kinder Fragen haben und Informationen benötigen, gerade in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Fragen sollten offen und ehrlich beantwortet werden in einer möglichst sachlichen, einfachen und klaren Art, ohne dass man Kindern Gespräche aufdrängt. Die Wahrheit muss dabei aber dem Alter, also der kognitiven und somit emotionalen Bewältigungsmöglichkeit der Kinder angepasst werden. 

Nichts ist aber schlimmer, als sie ihren Phantasien zu überlassen; denn ohne Erklärungen, blühen die Phantasien und Ängste erst recht auf.

Die Kriegssituation sollte nicht heruntergespielt werden, indem eigene Betroffenheit überspielt wird. Es ist eine gewisse Authentizität erforderlich bei ausreichender Selbststeuerung.

Man sollte den Kindern in ihrer Verunsicherung Halt, Sicherheit und Orientierung vermitteln und das Gefühl, nicht allein zu sein. Dabei sind Ängste, Traurigkeit oder Wut als durchaus normale Empfindungen darzustelllen.

Eigene elterliche Ängste sollten aber umgekehrt nicht auf Kinder übertragen werden. Erwachsene sollten sich also verdeutlichen, welche Ängste und Sorgen sie selbst in Bezug auf den Krieg haben. Dabei dürfen Kinder wissen, dass Eltern nicht auf alles eine Antwort haben und auch verunsichert sind.

Sie sollten aber Trost und Sicherheit vermitteln, sowie Hoffnung und Zuversicht. Es droht nicht automatisch eine Katastrophe und es kann immer wieder eine Wende zum Guten geben. Von polarisierenden Schuldzuweisungen und Täterbeschimpfungen sollte man eher Abstand nehmen.

Wenn Kinder aktuell z. B. Konzentrationsschwierigkeiten, Alpträume, Ängstlichkeit oder Gereiztheit zeigen, so benötigen sie Verständnis. Sie drücken ihre Gefühle und Empfindungen eher im Zeichnen, Gestalten und Spielen aus.

Überlegen, was man tun könnte

Zusammen kann man überlegen, was man gemeinsam tun könnte. Es eignen sich auch gemeinsame Rituale. Man kann z. B. auch gemeinsam symbolisch eine Kerze anzünden. Kinder sind auch offen für Spiritualität und Religiosität oder für gemeinsames Beten. Mit ihnen zusammen kann man auch Entspannungsübungen machen oder z. B. auch meditieren oder Yoga praktizieren. Gemeinsam kann man erörtern, wie Menschen sich gegenseitig trösten und für Unterstützung sorgen können.

Meist sind die Reaktionen auf die aktuelle Situation normal. Ansonsten sollte man sich Rat suchen, z. B. bei Kinderärzt*innen, einer (Erziehungs-) Beratungsstelle sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten.

 

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Dr. Hans-Peter Selmaier

Dr. Hans-Peter Selmaier

Dr. Hans-Peter Selmaier ist Arzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychoanalyse sowie für Innere Medizin. Als Chefarzt leitet er die Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen.

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