Die ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Viele Erwachsene erleben sich über Jahre hinweg als innerlich getrieben, reizoffen und gleichzeitig tief erschöpft – ohne eine klare Erklärung dafür zu haben. Eine fundierte Diagnostik kann entlasten, Zusammenhänge sichtbar machen und den Weg zu einer individuell passenden Behandlung eröffnen.
Was ist ADHS?
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist keine psychosomatische Erkrankung, tritt aber häufig in psychosomatischen Kontexten in Erscheinung, etwa durch Stressfolgen, Erschöpfung, somatische Beschwerden. Man spricht von einer neurobiologisch fundierten psychischen Störung.
Sie beruht auf Veränderungen im Gehirnstoffwechsel, insbesondere in der Regulation von Botenstoffen wie Dopamin und Noradrenalin. ADHS beginnt meist in der Kindheit und bleibt bei vielen Betroffenen bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Im Erwachsenenalter zeigt sich ADHS häufig durch eine Kombination aus:
- innerer Unruhe und gedanklichem Aktivitätsdrang
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen
- Schwierigkeiten in Planung, Organisation und Priorisierung
- schneller mentaler Erschöpfung
- erhöhter Reizoffenheit im Alltag
Eine ausführliche Darstellung der Symptome finden Sie auf der Seite Symptome AD(H)S bei Erwachsenen.
„Viele Erwachsene erhalten erst sehr spät ihre ADHS-Diagnose weil sie gelernt haben zu funktionieren – oft auf Kosten ihrer Gesundheit“, erklärt Sven Steffes-Holländer, Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken und ausgewiesener Experte für ADHS. Steffes-Holländer wurde vom Magazin Focus als Top-Mediziner 2026 für ADHS und Essstörungen ausgezeichnet und ist neben seiner Funktion als Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken Chefarzt der Heiligenfeld Klinik Berlin, in der Menschen mit ADHS behandelt werden können. „Außerdem werden sie häufig zuerst mit Depressionen oder Angststörungen diagnostiziert, was den Leidensweg unnötig verlängert.“, so Steffes-Holländer weiter.
Seit wann weiß man, dass es ADHS auch bei Erwachsenen gibt?
Lange Zeit galt ADHS als reine Störung des Kindes- und Jugendalters. Bis in die 1980er-Jahre ging man davon aus, dass sich die Symptome mit dem Erwachsenwerden „verwachsen“. Erwachsene mit Konzentrationsproblemen, innerer Unruhe oder Impulsivität erhielten daher häufig andere Diagnosen, etwa Depressionen, Angststörungen oder stressbedingte Erschöpfung.
Erst ab den 1990er-Jahren zeigten Langzeitstudien, dass ADHS bei vielen Betroffenen bestehen bleibt, sich im Erwachsenenalter jedoch anders äußert. Die sichtbare Hyperaktivität tritt häufig in den Hintergrund, während innere Unruhe, Reizoffenheit, emotionale Überforderung und chronische Erschöpfung stärker werden. Seit den 2000er-Jahren gilt ADHS auch bei Erwachsenen als wissenschaftlich gesichert. Diese Erkenntnis hat wesentlich dazu beigetragen, dass ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen heute einen festen Platz in der psychiatrischen und psychosomatischen Versorgung hat.
ADHS bei Männern und Frauen
ADHS zeigt sich nicht bei allen Menschen gleich. Besonders zwischen Männern und Frauen gibt es deutliche Unterschiede. Männer fallen häufiger durch klassische ADHS-Merkmale wie Impulsivität, motorische Unruhe oder risikoreiches Verhalten auf. Frauen hingegen erleben ADHS oft leiser. Bei ihnen stehen innere Unruhe, hohe Selbstansprüche, emotionale Erschöpfung, Reizüberflutung und depressive Symptome im Vordergrund.
Diese Unterschiede tragen dazu bei, dass Frauen oft später oder gar nicht diagnostiziert werden. Nicht selten erhalten sie zunächst andere Diagnosen, etwa Depressionen, Angststörungen oder psychosomatische Erkrankungen. Für eine differenzierte ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen ist es daher wichtig, geschlechtsspezifische Ausdrucksformen mitzudenken. Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Beitrag ADHS bei Frauen.
Wie hängen ADHS und psychosomatische Beschwerden zusammen?
Im Erwachsenenalter ist eine klare Abgrenzung der Symptome häufig schwierig. Das liegt daran, dass ADHS oft gemeinsam mit weiteren psychischen oder psychosomatischen Beschwerden auftritt. Diese enge Verbindung wird als Komorbidität bezeichnet. Häufige Begleiter sind unter anderem Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, chronische Erschöpfung oder stressbedingte körperliche Symptome.
Was ist Komorbidität?
Komorbidität beschreibt das gleichzeitige Auftreten mehrerer Erkrankungen bei einer Person. Im Zusammenhang mit ADHS bedeutet das, dass neben der ADHS weitere Beschwerden bestehen können, die sich gegenseitig beeinflussen. Eine dauerhaft erhöhte Reizverarbeitung kann zu chronischer Reizüberflutung führen.
Häufige psychosomatische Beschwerden, die im Zusammenhang mit ADHS auftreten können, sind unter anderem:
- Schlafstörungen und nicht erholsamer Schlaf
- innere Anspannung und Nervosität
- Herzklopfen oder Herzrasen ohne organischen Befund
- Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden
- anhaltende Erschöpfung und Überforderung
„ADHS wirkt wie ein Verstärker. Stress, Reize und emotionale Belastungen werden intensiver erlebt und können psychosomatische Symptome begünstigen“, so Sven Steffes-Holländer.
Was ist der Unterschied zwischen Komorbidität und Multimorbidität?
Während bei der Komorbidität eine Hauptdiagnose – etwa ADHS – im Vordergrund steht und weitere Erkrankungen hinzukommen, spricht man von Multimorbidität, wenn mehrere Erkrankungen ohne klare führende Diagnose parallel bestehen. Für die ADHS-Diagnose bei Erwachsenen ist diese Unterscheidung wichtig, da sie die therapeutische Ausrichtung beeinflusst.
Diagnostik – Wie wird ADHS im Erwachsenenalter festgestellt?
Eine ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen beginnt häufig mit Screening-Tests oder Fragebögen, die eine erste Einschätzung ermöglichen. Diese Tests können Hinweise liefern, ersetzen jedoch keine fundierte Diagnostik. Einen ersten Zugang bietet der ADHS-Test auf der Webseite der Heiligenfeld Kliniken.
Selbsttest "ADHS"
Warum ist eine ADHS-Diagnose sinnvoll?
Eine gesicherte ADHS-Diagnose schafft Klarheit. Nur wenn eindeutig ist, welche Symptome zur ADHS gehören und welche möglicherweise Ausdruck einer anderen Erkrankung sind, kann gezielt behandelt werden. Aufgrund der häufigen Komorbidität ist diese Differenzierung besonders wichtig, da etwa eine Depression andere therapeutische Ansätze erfordert als ADHS.
Wer diagnostiziert ADHS bei Erwachsenen?
Die Frage „Wer diagnostiziert ADHS?“ ist für viele Betroffene zentral. Eine fundierte ADHS-Diagnose bei Erwachsenen kann sowohl durch Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie, Psychotherapie oder Psychosomatische Medizin als auch durch approbierte Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten gestellt werden. Voraussetzung ist eine entsprechende fachliche Qualifikation und eine leitliniengerechte Diagnostik.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Diagnostik und medikamentöser Behandlung: Während Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten zur Diagnosestellung berechtigt sind, darf eine medikamentöse Therapie ausschließlich durch Ärztinnen und Ärzte erfolgen. In der Praxis hat sich daher ein interdisziplinäres Vorgehen bewährt, das auch in unseren Kliniken angewendet wird.
ADHS im Erwachsenenalter
Wie wird das Vorhandensein von ADHS untersucht?
Im Rahmen einer ADHS Diagnostik bei Erwachsenen werden nicht nur aktuelle Symptome betrachtet.
Eine fundierte ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen umfasst in der Regel mehrere Bausteine:
- ausführliche Gespräche zu aktuellen Beschwerden und Lebenssituation
- Erhebung der persönlichen Biografie und früherer Auffälligkeiten
- standardisierte Fragebögen und diagnostische Interviews
- Abklärung möglicher Begleiterkrankungen
- ärztliche und psychotherapeutische Einschätzung im Gesamtzusammenhang
Wo kann eine ADHS-Diagnose durchgeführt werden?
In der Parkklinik Heiligenfeld bieten wir für Privatversicherte und Selbstzahler eine 14-tägige psychosomatische Kurzzeittherapie an. In diesem Rahmen erfolgt eine umfassende ADHS-Diagnostik die in unser ganzheitliches Therapiekonzept eingebettet ist. Die Ergebnisse fließen direkt in die individuelle Behandlungsplanung ein. ADHS kann hier gezielt behandelt werden – immer unter Berücksichtigung möglicher psychosomatischer Begleiterkrankungen.
Die ADHS Diagnostik bei Erwachsenen ist oft ein entscheidender Schritt zwischen dauerhaftem Aktivitätsdrang und tiefer Erschöpfung. Sie schafft Orientierung, entlastet und bildet die Grundlage für eine wirksame, individuell abgestimmte Therapie. Gerade bei gleichzeitigen psychosomatischen Beschwerden lohnt sich der genaue Blick – für mehr Klarheit, Selbstverständnis und langfristige Lebensqualität.
Expertise und Einordnung Die ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen erfordert Erfahrung und einen differenzierten Blick – insbesondere dann, wenn psychosomatische Beschwerden hinzukommen. Sven Steffes-Holländer, Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken, wurde von Focus Gesundheit als Top-Mediziner 2026 für ADHS und Essstörungen ausgezeichnet. Diese Auszeichnung unterstreicht die fachliche Expertise der Heiligenfeld Kliniken in der Diagnostik und Behandlung komplexer psychischer Erkrankungen. „Eine gute Diagnostik ist keine Schublade, sondern ein Schlüssel. Sie hilft Menschen, sich selbst besser zu verstehen und neue Wege zu gehen.“, so Steffes-Holländer.
Sven Steffes-Holländer
Chefarzt Heiligenfeld Klinik Berlin
Weitere Informationen finden Sie unter:
Kurzzeittherapie in der Parkklinik Heiligenfeld
Aufnahmewege in die Parkklinik Heiligenfeld
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Sven Steffes-Holländer
Dieser Beitrag wurde durch Sven Steffes-Holländer fachlich geprüft. Er ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und neben seiner Funktion als Ärztlicher Direktor der Heiligenfeld Kliniken Chefarzt der Heiligenfeld Klinik Berlin. Sven Steffes-Holländer wurde vom Magazin Focus als Top-Mediziner 2026 für ADHS und Essstörungen ausgezeichnet.